Ewiges Warten

Angelica Bühler ist Studentin auf der Sekundarstufe I und Tutorin im Schreibzentrum der PH Zürich.

Wir warten auf den Zug. Wir warten, bis die Webseite lädt. Wir warten auf unsere Bestellung. Wir warten auf eine Antwort. Wir warten auf das Ende der Pandemie. Wir warten auf eine Erlösung. Ein ewiges Warten.

Gerade sitze ich im Zug und warte, bis ich ankomme, und beschäftige mich mit dem Warten. Naja, eigentlich eher mit der Überbrückung der Wartezeit. Zeitvertreib.

Ich suche eine ständige Ablenkung davon, dass ich eigentlich nur warte. Ich kann kaum ein Weilchen warten, ohne dass ich mich unglaublich gestresst fühle. Eigentlich käme mit dem Warten ja die Geduld. Doch geduldig zu sein, ist nicht einfach.

Vor Kurzem war ich spazieren und kam an eine grössere Hauptstrasse. Die Ampel war rot und ich konnte die Strasse nicht gleich überqueren. Ein Riesenstress.

Mein Puls raste, ich wurde nervös, lief fünf Meter nach links und wieder zurück. Sobald die Ampel auf Grün wechselte, rannte ich fast über die Strasse. Dann fiel mir ein, dass ich gar nirgends sein musste, kein Termin, keine Verabredung, kein Stress. Und doch war mir das Warten unglaublich schwergefallen. Kaum hatte ich mich entschieden, in welche Richtung ich weiterlaufen möchte, verdoppelte sich mein Schritttempo. Rechts eine ältere Dame überholen und links an einem Mann mit Hund vorbeiflitzen.

Die einzige Wartezeit, die mir Freude bereitet, ist das Warten auf eine Verabredung: die Erlösung kommt bald.

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