Verwunschene Bibliotheken

Wer sich Bibliotheken als friedlichen Hort für Bücher vorstellt, muss umdenken. Bald stehen die Regale nur noch in virtuellen Räumen, wo die Werke vor Menschenhand und Katastrophen in Sicherheit sind. Unvergessen bleibt die Szene aus dem Film The Day After Tomorrow (2004): Überlebende flüchten vor dem Eissturm in die New York Public Library und verheizen die wertvollen Bücher im Kamin.

Einen Zufluchtsort ganz anderer Art bietet die Bibliothek der abgelehnten Manuskripte in David Foenkinos’ Roman Das geheime Leben des Monsieur Pick (Penguin 2018), den Rémi Bezançon 2019 fürs Kino adaptiert hat. Wer keinen Verlag findet, darf sein Werk hier der Nachwelt hinterlassen. Als eine Lektorin ausgerechnet an diesem abgelegenen Ort in der Bretagne auf ein Meisterwerk stösst, sorgt das für gehöriges Aufsehen und gibt Rätsel auf. Der unbekannte Autor war Pizzabäcker und ausser einem Brief an seine Tochter ist von ihm keine Zeile überliefert.

Von vielen Büchern bleibt indes gar nichts übrig. Davon berichtet Alexander Pechmann in seinem launigen Sachbuch Die Bibliothek der verlorenen Bücher (Aufbau Digital 2015). Von den Schriften der Antike ist weniger als ein Zehntel erhalten. Bibliotheken gehen in Flammen auf, Manuskripte verschwinden spurlos oder werden mutwillig zerstört. Und manch ein Text wird nicht einmal aufgeschrieben.

All das erinnert auch ein bisschen an den Friedhof der vergessenen Bücher aus Carlos Ruiz Zafóns Der Schatten des Windes (Fischer 2013). Zum Glück gibt es noch diese magischen Bücher, die von verwunschenen Bibliotheken erzählen.

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