«Ok Boomer» – winter is coming!

Karin Zopfi Bernasconi – Seitenblick

Erst durch die beiläufige Bemerkung einer jungen neuseeländischen Politikerin im vergangenen Herbst hat sich der Ausspruch «Ok Boomer» in unserem kollektiven Gedächtnis festgesetzt. Seither gilt er unter jüngeren Menschen als geflügeltes Wort. «Ok Boomer» findet vor allem dann Verwendung, wenn Argumente der Millennials, beispielsweise bei der Klimadebatte, von älteren Personen, vornehmlich Angehörigen der Baby-Boomer-Generation, nicht ernst genommen werden. Die Phrase gilt als bewusstes Totschlagargument; sie stellt jeden weiteren Dialog kalt. Als Folge des «Ok-Boomer»-Phänomens stellt sich die Frage: Hat die globale Erderwärmung zur Eiszeit zwischen den Generationen geführt?

Das angespannte Klima wird durch pauschalisierende und medial inszenierte Äusserungen in beide Richtungen angeheizt. Im Netz kursieren unzählige «Ok-Boomer»-Memes und erste Merchandising-Produkte strömen auf den Markt. Der Ursprung des Konflikts geht auf einen Beitrag eines älteren Mannes zurück, welcher der jungen Generation Infantilität im Sinne des Peter-Pan-Syndroms vorwarf. Böse Zungen bezeichnen die Millennials auch als Schneeflocken, weil sie als extrem sensibel und verletzlich gelten. Wenn es hart auf hart kommt, so die klischierte Sichtweise, ziehen sie sich lieber in ihren safe-space zurück, statt weiter zu debattieren. Vielleicht sollten sich die älteren Generationen aber fragen, ob die Millennials nicht einfach Kinder ihrer Zeit sind, denen sie selbst beigebracht haben, den Fokus ganz auf ihre eigene Befindlichkeit zu richten.

Solch stereotype Kategorisierungen richten sich interessanterweise meistens nur gegen andere Generationen und Gruppierungen. Die eigene Ingroup nehmen wir viel eher in ihrer gesamten Vielfalt wahr. So wehren sich die meisten von uns, wenn sie einem bestimmten «Topf» zugeordnet oder noch schlimmer, einfach als Boomer beziehungsweise Schneeflocke bezeichnet werden. Im besten Fall werden diese trivialen Vorurteile mit einem müden Lächeln quittiert.

Je mehr Informationen wir über eine uns fremde Gruppe oder Alterskohorte in Erfahrung bringen können, desto geringer sind die kognitiven Verzerrungen. Dabei haben Informationen, die sich aus direkten Erfahrungen ergeben, auf unsere Weltsicht wohl den grössten Einfluss. Da sich unser Leben ausserhalb der Familie aber häufig in altershomogenen Gruppen abspielt, ist es gar nicht so einfach, mit Menschen anderer Altersgruppen in Kontakt zu kommen.

Genau genommen stellt der Austausch am Arbeitsplatz eine der wenigen Gelegenheiten dar, generationenübergreifende Kontakte zu pflegen. Sei es in der Volksschule mit der heranwachsenden Jugend, an der Hochschule mit den Studierenden oder durch die Zusammenarbeit in Teams. Die Arbeitsumgebung bietet die Möglichkeit einer Begegnungszone und fördert indirekt das Verständnis zwischen den Generationen.

Bleibt zum Schluss die Frage offen, welchen Beitrag die Generation zwischen Boomers und Millennials zur Abkühlung der Grosswetterlage leistet. Leider gibt es dazu keinen Hinweis. Sie feiern gerade die Renaissance des Biedermeier und überwintern in der «hyggelig» eingerichteten Stube.

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