Ein Loblied auf die Absage

Ronja Stamm studiert im Studiengang Kindergarten- und Unterstufe und ist Tutorin im Schreibzentrum der PH Zürich.

Ich weiss, dir geht es wie mir. Die Bereitschaft zur permanenten Verfügbarkeit und absolute Stressresistenz werden im Lebenslauf höher gewichtet als unsere beruflichen Qualifikationen, und das Stemmen einer Workload zeugt mehr von Stärke als jenes der Gewichte im Fitnesscenter.

Zeit ist sowohl Mangelware als auch kostbarstes Gut zugleich geworden. Und so wie die Königstochter vergeblich Stroh zu Gold spinnen sollte, ackern wir im Hamsterrad des Lebens die täglichen To-Do-Listen ab in der Hoffnung, dass der Feierabend irgendwann mehr zu bieten hat als aufgewärmte Reste vom Vortag.

Stroh zu Gold, fragst du? To-Dos zu Let-it-bes machen, sag ich! Das ist nicht unbedingt schwierig, du musst nur eins können: Absagen. «Nein, merci. Nein, danke. Ich kann nicht. Ich habe dann schon Teammeeting im Dingsda. Und mis Grosi hät au no Geburtstag.»

Oder besser ohne Notlüge: «Nein, tut mir leid. Ich möchte lieber nicht.» Denn letzten Endes währt Ehrlichkeit am längsten und mit jedem Nein schenke ich mir selber ein Ja. Ja zu etwas mehr Freizeit, Ja zu einem ruhigen Abend alleine oder einem Gespräch mit guten Freunden in der Bar, Ja zum Faulenzen, sich Erholen und Energie Tanken. Also sag ich mutig «No, I can’t!» und freue mich über alle gleichgesinnten, stolzen Absagerinnen und Absager: Cheers to Freedom!

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