Ein Faible für den Tod

Aufbahrungshallen, Beerdigungen und Friedhöfe sind nicht gerade das, was man in altersgerechten Jugendmedien erwartet. Aber warum nicht? Eine wunderbare Ausnahme macht Jason Reynolds mit «Love oder Meine schönsten Beerdigungen» (dtv 2017).

Ich-Erzähler Matt hat kein leichtes Los. Nach dem Tod der Mutter droht sein Vater in den Alkohol abzugleiten. Trost findet der 17-jährige Schüler ausgerechnet in seinem neuen Job als Assistent eines Bestattungsunternehmers. Er setzt sich bei den Trauerfeiern in die hinterste Reihe und hält nach jener Person Ausschau, die am meisten leidet. Der Anblick lässt ein warmes Beben in ihm aufsteigen, und in diesem Augenblick fühlt er sich in seinem eigenen Schmerz weniger einsam.

Auch die 15-jährige Charleen im deutschen Spielfilm «About a Girl» absolviert ein Praktikum bei einem Bestatter. Sie mag Musik von toten Leuten und tut sich derzeit mit Familie, Schule und Mädchengesprächen über Jungs und Mode besonders schwer. Nach einem halbherzigen Suizidversuch landet sie in der Notaufnahme und später bei einem schrägen Therapeuten, in dessen Wartezimmer sie auf den Musterschüler ihrer Klasse trifft. Das Leben bleibt kompliziert, kann aber durchaus Spass machen, wenn man sich mit den richtigen Menschen verbündet.

Neil Gaiman lässt seinen Roman «Das Graveyard-Buch» (Arena 2009) sogar auf dem titelgebenden Friedhof spielen. Ein Baby entkommt knapp dem Anschlag eines brutalen Killers und wird auf dem nahegelegenen Friedhof von skurrilen Geistern adoptiert und liebevoll aufgezogen. Aber der Killer kehrt zurück.

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 0 (von 0 Bewertungen)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.