Die Masterarbeit

Aus Fehlern kann man lernen: Eine einfache Volksweisheit, die auch für die Schule ihre Gültigkeit hat. In ihrer Masterarbeit ist Miriam Ehrle der Frage nachgegangen, wie Fehler im Mathematikunterricht dazu genutzt werden können, Wissenslücken aufzudecken und zu schliessen.

Die 27-Jährige, die während des Studiums bereits mit einem Teilzeitpensum auf der Sekundarstufe unterrichtete, hat beobachtet, dass Schülerinnen und Schüler ihre Rechnungsaufgaben nicht immer verbessern. Tun sie es dennoch, streichen sie häufig einfach das falsche Resultat durch und schreiben das richtige von den Lösungen auf einer Online-Plattform ab. So sei das Lernen aus Fehlern nur bedingt möglich, schreibt die Autorin.

In einem ersten Schritt führte Ehrle deshalb in der ersten Sekundarklasse ein Gruppeninterview durch, in dem Strategien, Hilfsmittel und Emotionen im Zusammenhang mit Fehlern thematisiert wurden. Aufgrund der Antworten entwickelte sie eine Fehlercheckliste, mit der die Kinder im Lernatelier systematisch arbeiten konnten. Sie waren angehalten, alle ihre Resultate zu überprüfen und mindestens drei der falschen Lösungen in einem Fehlertagebuch zu verbessern. Gleichzeitig mussten sie in Worten beschreiben, wie es zum Fehler gekommen war und wie sie dies künftig vermeiden können. Die Studentin behielt dabei vier schwächere Schülerinnen und Schüler besonders im Auge. Dass diese tendenziell viele Fehler machen, könne demotivierend wirken, hat sie erkannt. Diesem Mechanismus versuchte sie durch eine allgemein positive Fehlerkultur entgegenzuwirken. Im mündlichen Unterricht achtete sie zum Beispiel auf ihre Mimik und Gestik und versuchte, den Kindern die Angst vor falschen Antworten zu nehmen. Sie regte die Klasse an, den Überlegungen, die zu Misserfolgen geführt haben könnten, auf den Grund zu gehen.

Im Laufe dieses ersten Forschungszyklus wurde der Autorin bewusst, dass viele Schülerinnen und Schüler über ungenügenden Fachwortschatz verfügen, um ihre Fehler zu analysieren. In einem zweiten Teil konzentrierte sie sich deshalb darauf, die sprachlichen Kompetenzen in der Mathematik zu fördern und präzise Begriffe zu vermitteln. Zum Beispiel legte sie Wert darauf, dass die Kinder von einer Symmetrieachse sprechen statt einfach von einer Linie. Mathematische Darstellungen mit den korrekten Bezeichnungen blieben für mehrere Wochen auf der Wandtafel stehen und die Kinder erarbeiteten selber mathematische Aufgaben, zu denen sie grafische Darstellungen zeichneten. Zentral für eine positive Fehlerkultur in der Klasse sei auch der eigene Umgang mit Irrtümern und Versäumnissen, ist der Autorin bewusst geworden: Wenn Lehrpersonen ihre Fehler zu vertuschen versuchen, statt dazu zu stehen, seien sie kein gutes Vorbild. «Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich einen angemessen entspannten Umgang mit meinen Fehlern entwickelt. Das ist entlastend», sagt Ehrle, die seit dem Sommer als fertig ausgebildete Sekundarlehrerin in Mönchaltorf unterrichtet. Dort versucht sie, von Anfang an in allen Fächern viel Fehlertoleranz walten zu lassen.

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