Der Pakt der Freundschaft

«Wie viel Verschiedenheit verträgt die Freundschaft?» Das fragte schon Aristoteles. Er meinte, dass wahre Freundschaft nur unter Gleichgesinnten und tugendhaften Menschen möglich sei.

Ob dieses Verständnis im digitalen Zeitalter noch aktuell ist, untersucht der aus Griechenland stammende und in den USA lehrende Philosophieprofessor Alexander Nehamas. In seinem Buch «Über Freundschaft» (dtv 2017) nähert er sich dem Thema in einer Mischung aus Reflexion und persönlicher Erfahrung. Er diskutiert klassische wie zeitgenössische Vorstellungen und illustriert das Wesen moderner Freundschaft an Beispielen aus Literatur, Kunst, Theater und Film.

Dass Freundschaft nach langer Trennung und trotz unterschiedlicher Lebensweisen Bestand haben kann, erzählt der spanische Regisseur Cesc Gay in seinem tragikomischen Spielfilm «Truman» (2016). Der Informatiker Julián reist aus Kanada an, um dem todkranken Schauspieler Tomás in Madrid für ein paar Tage Gesellschaft zu leisten und mit dem Freund ein neues Plätzchen für dessen Hund zu finden.

Von einer ganz und gar ungewöhnlichen Freundschaft handelt Michael Köhlmeiers intimer Roman «Zwei Herren am Strand» (dtv 2016). Winston Churchill und Charles Chaplin stehen sich weder politisch noch persönlich nahe, werden aber beide seit jungen Jahren von düsteren Selbstmordgedanken heimgesucht. Auf einem langen Spaziergang am Strand schliessen sie deshalb spontan einen Pakt fürs Leben. Sie versprechen sich, «dass, wann immer einer Hilfe benötigt, der andere, wo immer auf der Welt er ist, alles liegen und stehen lässt und kommt!»

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