A place to be

Reka De Bona ist Studentin auf der Primarstufe und Tutorin im Schreibzentrum der PH Zürich.
Reka De Bona ist Studentin auf der Primarstufe und Tutorin im Schreibzentrum der PH Zürich.

Durch wie viele Türen muss man gehen, bis man seinen «guten Ort» erreicht hat?

Ich habe sehr lange nach solch einem Ort gesucht, es kostete viele Umzüge und Versuche. Wahrscheinlich musste ich zuerst meine Rastlosigkeit beiseitelegen, um einen Rückzugsort zu finden. Nun vermute ich, dass mein guter Ort dort ist, wo ich frei atmen kann. Er ist immer da, in jeder Jahreszeit, (fast) nur für mich. Er kann sich ändern: Ein Stück Wiese am See mit einem schief liegenden, alten Trompetenbaum. Absolut unauffällig, aber für mich ein locus amoenus, wie man ihn aus der Literatur kennt. Oder ein Stand-up- Paddling-Brett, in der Mitte des Zürichsees, auf dem ich mich dem Rhythmus der Wellen hingeben kann. Auf ihm bin ich zwar da und dennoch weit weg. Mein guter Ort ist aber auch in Kilchberg, in einer kleinen Badi am See. Auf den Steinen, direkt in der ersten Reihe vor dem grossen Kino der Wellen, denen ich tage- und stundenlang zuschauen kann. (Wie viele Kilometer musste ich abschwimmen, Länge um Länge, bis ich begriff, was es für eine Wirkung haben kann, die Wellen zu beobachten.)

Er ist nah und trotzdem fern von allem, was man Alltag nennt. Der Ort ist zwar greifbar, aber dort bin ich ausser Reichweite. Seine Farben sind himmelblau, türkis und grasgrün. Ich kann ihn auch unterwegs finden. Nun weiss ich auch, dass er nicht hinter einer Tür verschlossen ist, vielmehr öffnet er eine in mir.

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