Eine Frage, drei Antworten: Wie arbeiten Sie mit Eltern zusammen?

Sabrina Hottinger, Oberstufenlehrerin, Hinwil

Vor der Zusammenarbeit mit den Eltern hatte ich zu Beginn meiner Arbeit als Lehrerin grossen Respekt, doch heute bin ich von der Wichtigkeit eines guten Zusammenspiels überzeugt.

Anfangs Oberstufe führe ich jeweils mit allen Eltern und Kindern ein Gespräch durch. Dabei lege ich besonderen Wert darauf, dass die Eltern spüren, dass ich ihrem Kind gegenüber wohlwollend eingestellt bin. Ist erst einmal eine positive Basis geschaffen, ist es einfacher, auch in schwierigeren Situationen gut zusammenzuarbeiten. Elterliche Kritik nehme ich ernst und versuche, hinter die Fassade zu blicken. Oft stecken Ängste dahinter, die es zu klären gilt. Ich habe immer gute Erfahrungen damit gemacht, den Eltern gegenüber transparent zu sein. Neben persönlichen Auskünften haben sie jederzeit die Möglichkeit, Noten online einzusehen. Dabei bin ich darauf bedacht, auch Positives festzuhalten. Reklamationen von Eltern kommen oft dann, wenn sie negative Überraschungen erleben. Werden sie auf dem Laufenden gehalten, passiert dies kaum. Darüber hinaus finde ich es schön, zwischendurch Begegnungen zu schaffen, die nichts mit der Beurteilung zu tun haben. So lade ich Eltern etwa gerne ein, um die Arbeiten aus einer Themenwoche zu begutachten und gemütlich beisammenzusitzen.

Johanna Heide-Liebetrau, Unterstufenlehrerin, Henggart

Eines scheint uns allen klar zu sein: Gelingt es uns, eine wertschätzende und offene Zusammenarbeit mit den Eltern zu erarbeiten, so spüren das die Kinder. Dies wiederum wirkt sich positiv auf das Lernen und das Klima im Schulzimmer aus. Wir führen ein kleines Heftchen – Elternkontaktheft genannt –, in das die Eltern oder wir jederzeit schreiben können, wenn etwas ansteht. Gespräche zwischen Tür und Angel führen wir nur kurz, wenn es dringend ist. Wir möchten uns Zeit nehmen und vereinbaren lieber Gesprächstermine. Offene Kommunikation, ehrlicher Austausch und immer wieder Informationen scheinen uns selbstverständlich – so entstehen Vertrauen und Wohlwollen. Wir möchten doch alle das Beste für unsere Kinder, also: Bleiben wir dran! Und wir Erwachsenen sind die Vorbilder der jungen Generation, umso wichtiger ist es vorzuleben, was wesentlich ist: ein respektvoller, achtsamer, freundlicher Umgang miteinander.

Roger Spiess, Schulleiter, Winterthur

Die Elternzusammenarbeit hat macht- und kraftvolles Potenzial. Auf unkomplizierte Weise kann die Schule mit den Erziehungsberechtigten wesentliche Entscheide fällen zugunsten der Kinder. Da wichtige Aspekte für den Lernerfolg ausserhalb des schulischen Umfeldes liegen, lohnt sich ein vertrauensvoller Beziehungsaufbau zu den Eltern doppelt. Schon beim Kindergarteneintritt wird der Grundstein für eine Kooperation auf Augenhöhe gelegt. Die Eltern also nicht möglichst rasch aus dem Zimmer scheuchen, sondern involvieren und sich der Chance des Vertrauensaufbaus bewusst sein – insbesondere im interkulturellen Kontext. Freundliche Gesten und eine echte Willkommenskultur wirken im Umgang mit Eltern Wunder. Der Einbezug in Projekte und den Unterricht unterstützt ein unbeschwertes Grundklima. So können auch Konflikte lösungsorientiert und mit gemeinsamer Verantwortungsübernahme angegangen werden.

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