Geflüchtete Jugendliche im Unterricht wirksam unterstützen

Das neue Lehrmittel «Unterwegs» der PH Zürich und der PH Bern unterstützt geflüchtete Jugendliche auf dem Weg zu besserem Deutsch, zu mehr Selbstvertrauen und zu einer sinnvollen Berufswahl. Die ersten Rückmeldungen fallen positiv aus.

Wenn in einer Schulklasse 16-jährige Jugendliche sitzen, die kaum Deutsch können und zudem nicht wissen, ob sie in zwei Monaten noch in der Schweiz sind, ist dies für Lehrpersonen eine grosse Herausforderung. Speziell gefordert sind auch Lehrpersonen, die in Durchgangszentren oder Wohnheimen geflüchtete Jugendliche unterrichten, denn diese Schülerinnen und Schüler verfügen häufig über sehr unterschiedliche Bildungsniveaus. Was bisher fehlte, war ein Lehrmittel, das für Geflüchtete mit wenig Deutschkenntnissen eingesetzt werden kann.

Gemeinsam mit der PH Bern machte sich die Abteilung Internationale Bildungsentwicklung (IPE) der PH Zürich vor zwei Jahren an die Arbeit, ein entsprechendes Lehrmittel zu entwickeln. Es sollte sowohl für Flüchtlingszentren als auch für die Volksschule geeignet sein und drei Anforderungen erfüllen: den Erwerb der Sprache Deutsch fördern, die Lernenden bei der Berufswahlorientierung unterstützen sowie die sogenannten Life Skills fördern. Dazu gehören beispielsweise Fähigkeiten wie kritisches Denken oder der konstruktive Umgang mit Konflikten. Und da in vielen Durchgangszentren Sozialarbeitende oder freiwillige Helferinnen und Helfer unterrichten, die keine Ausbildung zur Lehrperson absolviert haben, sollte es ohne spezifische pädagogische Kenntnisse verwendet werden können.

Einbezug der Jugendlichen

Dem Autorenteam war es ein wichtiges Anliegen, geflüchtete Jugendliche bei der Entwicklung miteinzubeziehen. Das Zentrum Bäregg, im Kanton Bern für die Unterbringung und Betreuung von unbegleiteten minderjährigen geflüchteten Jugendlichen zuständig, zeigte an dem Projekt Interesse und erklärte sich zur Mitarbeit bereit. Nachdem eine erste Version des Lehrmittels vorlag, testeten die Schülerinnen und Schüler die insgesamt sieben Module und gaben ein Feedback ab. Die Rückmeldungen – beispielsweise wurde der Wunsch geäussert nach mehr Platz im Heft für die Lösungen – arbeitete das Autorenteam anschliessend in das Lehrmittel ein. Im Zentrum Bäregg wird «Unterwegs» nun bereits seit einigen Monaten eingesetzt. Evelyn Ritter, Leiterin Bildung & Beruf im Zentrum Bäregg, ist mit dem Lehrmittel sehr zufrieden: «Unsere Lehrpersonen setzen es regelmässig im Unterricht ein. Eine Lehrerin erklärte mir, dass sie durch den Unterricht mit ‹Unterwegs› eine intensivere Verbindung zu einigen Schülern aufbauen konnte.» Auch die Jugendlichen würden gerne damit arbeiten. Das Lehrmittel werde der Heterogenität in den Klassen gerecht. «Auch Jugendliche, die schulisch nicht so stark sind, beteiligen sich an den Lektionen», sagt sie. «Unterwegs» motiviere sämtliche Schülerinnen und Schüler, weil es immer mehrere Möglichkeiten gebe, eine Aufgabe zu lösen. Auffällig sei zudem, dass sich die geflüchteten Jugendlichen vermehrt mit ihrer Berufswahl befassen.

«Unterwegs» wird auch im Zentrum Lilienberg verwendet, in welchem 90 unbegleitete Jugendliche untergebracht sind. Inzwischen arbeiten auch immer mehr Lehrpersonen in der Volksschule mit dem Heft. Das Lehrmittel ist seit Anfang Jahr beim hep-Verlag erhältlich. Nebst dem Heft mit den Modulen steht ein Band mit Kommentaren für die Lehrpersonen zur Verfügung sowie diverses Zusatzmaterial. Die Projektleitung auf Seite PH Zürich lag bei Wiltrud Weidinger. Bei der PH Bern waren Georg Bühler und Gisela Bürki verantwortlich.

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