Die Masterarbeit

Dazugehören ist ein menschliches Grundbedürfnis. Aus der Forschung ist bekannt, dass soziale Ausgrenzung vom Gehirn ähnlich wie körperlicher Schmerz wahrgenommen wird. Zudem ist Anerkennung eine Voraussetzung, dass Menschen überhaupt eine intellektuelle Leistung anstreben.

Dies gilt auch in der Schule: Sozial akzeptiert zu sein, sei für das Wohlbefinden und Lernen zentral, schreibt Zoé Straub in ihrer Masterarbeit. Die 25-Jährige ist der Frage nachgegangen, wie stark die soziale Integration der einzelnen Schülerinnen und Schüler in einer Klasse von den schulischen Leistungen abhängt. Die Fragestellung erhalte mit der heutigen Heterogenität der Klassen besondere Relevanz, hält die Autorin fest. Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind heute grösstenteils in Regelklassen integriert. Zudem werden auf der Sekundarstufe nicht mehr überall Niveauklassen geführt, sondern gemischte Stammklassen mit Anforderungsstufen in einzelnen Fächern. Somit vergrössert sich die Bandbreite zwischen den Stärksten und Schwächsten.

Ihre Untersuchung hat Zoé Straub an neun Klassen der ersten Sekundarstufe im Kanton Zürich vorgenommen. Bei insgesamt 144 Jugendlichen hat sie über einen Online-Fragebogen einerseits die selbst wahrgenommene Integration und andererseits die Aussensicht erhoben. Die Teilnehmenden mussten zum Beispiel angeben, ob sie gerne in die Schule gehen und wie wohl sie sich in der Klasse fühlen. Gleichzeitig taten sie ihre Sympathie oder Antipathie für einzelne Klassenkameraden kund, indem sie mit Namen nannten, neben wem sie während einer Zugfahrt ins Klassenlager gerne oder lieber nicht sitzen würden. Anhand der Antworten stellte die Autorin für jede Klasse grafisch
dar, welche Schülerinnen und Schüler beliebt sind und welche weniger oder gar nicht. Die Unterschiede waren teils beträchtlich. Parallel dazu gaben die Lehrpersonen ihre Einschätzung zu den Leis-
tungen ab, indem sie jedes Kind in Deutsch, Mathematik und Sport einer schwachen, durchschnittlichen oder starken Gruppe zuordneten. Darauf wurden die Angaben miteinander verglichen. Es zeigte sich, dass geringe kognitive Leistung mit einem tiefen sozialen Status einhergeht. Bei den sportlichen Leistungen war der Effekt bei den Knaben sehr stark, bei den Mädchen dagegen kaum nachweisbar. Zum Zusammenhang von guten Schulleistungen und der sozialen Integration konnten hingegen nur ungenaue Aussagen gemacht werden.

Zoé Straubs Arbeit hat den diesjährigen Studienpreis der PH Zürich und der Stiftung Pestalozzianum erhalten. Die Fragestellung sei sorgfältig in den theoretischen Rahmen und den aktuellen Forschungsstand eingebettet und vermöge für Jugendliche zu sensibilisieren, die von sozialem Ausschluss betroffen sind, schreibt die Jury. Die Würdigung deckt sich mit den Schlussfolgerungen der frisch ausgebildeten Sekundarlehrerin: «Ich werde Leistungsschwächere in Zukunft besser unterstützen und Schwächere ermutigen, sich zu beteiligen.»

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