Wie Schule und Fussball voneinander lernen können

Silke Fischer

Silke Fischer – Seitenblick

Alle vier Jahre ereignet sich das gleiche Spektakel: Egal in welchem Land und bei welchem Wetter versammeln sich die Massen vor den Public-Viewing-Leinwänden. Tausende Fanartikel, Bratwürste und Liter Bier werden verkauft. Etliche Fähnchen tauchen an Balkonen, Häuserwänden und Autos auf. Stundenlange Hupkonzerte sind hörbar und Autokolonnen verstopfen die Strassen. Spätestens dann ist klar: Es ist Fussball-WM. So war das auch bei der diesjährigen Austragung.

Fussball ist ein Phänomen, das seit Mitte des 19. Jahrhunderts von England aus seinen Siegeszug antrat und die Massen über alle Schichten hinweg begeistert: Vom Astrophysiker bis zum Büezer. Doch der Fussball hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Der Fussball von gestern vertraute auf Erfahrungswerte und Bauchgefühl. Der Fussball von heute ist ein Spiel der Statistiken. Ein Spiel mit Durchschnittswerten über Passquoten, Ballkontakte und Laufleistungen. Das Sammeln solcher Daten hat sicherlich geholfen, den Fussball zu strukturieren. Aber eine Erfolgsformel, die den Ausgang eines Fussballturniers vorhersagt, konnten die Daten nicht generieren – zum Glück!

Im Gegenteil: Bisher hat immer die Mannschaft gewonnen, die am besten harmoniert hat und nicht unbedingt jene mit den besten Spielstatistiken. Der Teamgeist wirkt leistungsfördernd und in einem gut harmonierenden Team ist es leichter, schwierige Situationen gemeinsam zu meistern.

Die Parallele zum Unterricht liegt dabei auf der Hand. Obgleich eine minutiöse Unterrichtsplanung wichtig ist und einen entscheidenden Beitrag für eine effiziente Klassenführung und Zeitnutzung darstellt, sind auch hier die sozialen Faktoren, die ein lernförderliches Unterrichtsklima erzeugen, besonders wichtig.

Für die Lehrperson wie auch für den Fussballtrainer geht es eben auch oft darum, wechselseitigen Respekt zu erzeugen, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, Toleranz vorzuleben, Humor zu zeigen und einen konstruktiven Umgang mit Fehlern zu haben. Um sehr gute Leistungen zu erbringen, müssen die Lernenden bzw. Spieler auf vielfältige Weise intrinsisch und extrinsisch motiviert werden. Das Neugier- und Leistungsmotiv muss angeregt werden. Dies geschieht vor 08, wenn der Unterricht bzw. das Training an den Interessen der Lernenden und Spielern orientiert ist, der Schwierigkeitsgrad und das Tempo an die Situation und Voraussetzungen der Gruppe angepasst sind sowie der Lerngruppe gewisse Freiräume zur eigenständigen Weiterentwicklung eingeräumt werden. Des Weiteren bedarf es einer guten Mischung von Unterrichts- und Trainingsmethoden, die den zu erreichenden Zielen angepasst sind. Das Wissen und Können sollte zudem eine nachweisliche und nachhaltige Wirkung haben und nicht gleich nach dem Unterricht bzw. Training verpuffen.

Müssen Lehrpersonen bzw. Fussballtrainer aus einer Klasse bzw. Mannschaft deshalb gleich 20 bzw. 11 Freunde machen? Nein, sondern einfach nur in gewissen Situationen ein gut funktionierendes Team sein.

Silke Fischer ist Berufsfachschullehrerin und Dozentin auf der Sekundarstufe II an der PH Zürich.

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