Medien und Bildung im Wandel

Nicht nur in der Wissenschaft, sondern für jeden Diskurs zu öffentlichen, fachlichen und überfachlichen Themen benötigen wir gemeinsame Begriffe. Für die Medienpädagogik und ihre benachbarten Disziplinen sind die seit über 35 Jahren erscheinenden Grundbegriffe Medienpädagogik zu einem unverzichtbaren Standardwerk geworden. In den stetig überarbeiteten und neu konzipierten Ausgaben spiegelt sich nicht zuletzt die bewegte Geschichte eines Spezialgebiets wider, das sich bei aller Interdisziplinarität zu einem eigenständigen Fach entwickelt hat.

Um mit dem mediengesellschaftlichen Wandel Schritt zu halten, müssen Begriffe immer wieder neu gefasst, erweitert oder ersetzt werden. Einstmalige Stichworte wie Massenmedien, Hypertext und Multimedia sind von technischen Neuerungen überholt worden und haben im Zeitalter digitaler Medienkonvergenz an Trennschärfe eingebüsst. In der sechsten Auflage finden sie keinen Platz mehr. Ein ähnliches Schicksal ist medienkritischen Trendbegriffen wie Edutainment und Infotainment beschieden. Dass Lernen häufig unterhaltend und spielerisch vonstattengeht, ist weder neu noch medienspezifisch und wird im Bildungskontext selbstverständlich mitbedacht und pädagogisch-didaktisch reflektiert. Marktwirtschaftliche Medienkonzentration, interessenpolitische Einflussnahme, vorgefilterte Informationen oder Fake News stellen frühere Unterhaltungsangebote in den Schatten. Aktuelle Einträge zu Big Data, Social Media, Open Data oder Pornografie dokumentieren, dass gesetzliche Vorgaben und erzieherische Empfehlungen wenig bewirken, wenn sie nicht durch tragfähige Konzepte von Medienkompetenz und durch Förderung von Partizipation und rezeptiver Medienarbeit ergänzt werden. Dies unterstreichen Ergänzungen zu medienpädagogischen Handlungsfeldern, zum Beispiel: Ausserschulische Medienarbeit, Bürgermedien, Erwachsenenbildung, Familie, Generationen, Jugendkulturen, Kulturelle sowie Politische Bildung. Akute Themen wie Gender, Gesundheit, Inklusion, Identität, Körperbilder, Migration, Soziale Benachteiligung oder Sucht belegen nachdrücklich, dass inzwischen alle lebensweltlichen Territorien betroffen sind.

Nichts geändert, so betonen Herausgeberinnen und Herausgeber, hat sich an der grundsätzlichen Ausrichtung des Kompendiums. Neben der Vermittlung von Faktenwissen gehe es nach wie vor darum, ein Problembewusstsein zu wecken und anhand einschlägiger Begriffe zentrale Anliegen und Zieldimensionen der Medienpädagogik zu verhandeln. Wie die 2009 gestartete Initiative «Keine Bildung ohne Medien!» deutlich macht, darf Medienbildung in einer Gesellschaft, die auf Verantwortung, Chancengleichheit und aktive Teilhabe setzt, keinesfalls dem Markt, dem technologischen Wandel oder dem blinden Zufall überlassen werden.

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Bernd Schorb, Anja Hartung-Griemberg, Christine Dallmann, Hrsg.
Grundbegriffe Medienpädagogik.
6., neu verfasste Aufl. München: kopaed, 2017. 493 Seiten.

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