Verführung zum Lesen

Krieg und Frieden bezeichnet Karin Schneuwly als das erste richtige Buch, das sie gelesen hat – nicht ganz freiwillig, ihre damalige Lehrerin hat sie moti­viert, einen Vortrag darüber zu machen. Sie solle etwas aus dem Buch nehmen, das sie interessiere, und nur darüber sprechen, rät ihr ein Liebhaber von Tolstois Werk, dem sie bei ihrer Lektüre auf dem Üetliberg zufällig begegnet. Schneuwly entscheidet sich für Natascha und deren Liebe zu Andrej. Geschickt spinnt die Autorin ihre Leseerfahrungen zu einem Faden durch ihr Leben, erzählt von ihrem Studentenjob in der Zentralbibliothek und wie sie sich dort in ihren Arbeitskollegen Marek verliebt. Sie kauft jedes Buch, von dem er ihr erzählt, liest ihm hinterher, ohne ihn je zu erreichen. Sein Suizid erschüttert sie. Ihre Liebe zu den Büchern bleibt. An einer Stelle beschreibt sie die so: «Einmal eine junge Frau das Handy weglegen und Was ich sonst noch verpasst habe lesen sehen – und schon möchte ich sie in den Arm nehmen.»

Karin Schneuwly. Glück besteht aus Buchstaben.
Zürich: Nagel & Kimche, 2017.
208 Seiten.

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