«Ich setze stark auf die Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler»

Wie führen Lehrpersonen ihre Klassen? Eine Kindergärtnerin, ein Primarlehrer und eine Lehrerin auf der Sekundarstufe geben Auskunft über ihre Erfolgsrezepte.

Michaela Norrmann, Kindergärtnerin in Flaach

Eine gute Klassenführung ist zentral für das Lernen im Kindergarten. Das Thema ist für mich äusserst vielschichtig. Wichtig sind die Beziehung zu den Kindern, die Unterrichtsqualität sowie Routinen, Rituale und Regeln. Eine gute Beziehung zu den Kindern schaffe ich mit einem klaren, liebevollen, interessierten und respektvollen Führungsstil. Die Kinder werden gesehen und wahrgenommen und müssen sich nicht negativ bemerkbar machen. Der Unterricht muss inhaltlich spannend gestaltet sein und die Kinder in ihrem jeweiligen Entwicklungsstand abholen. Nebst den geführten Sequenzen bietet hier die Freispielzeit ausgezeichnete Möglichkeiten zur Förderung der Kinder. Dabei beobachte ich die Kinder bewusst und gebe gezielte Spiel- und Lern-Impulse. Unser Klassenraum animiert die Kinder zum selbständigen Spielen und gewährleistet mir als Lehrperson gleichzeitig eine bestmögliche Übersicht, damit ich falls nötig jederzeit unterstützen kann. Wenig, aber gut durchdachte Regeln, die ich konsequent einfordere, sind ebenfalls bedeutend. Neu in den Kindergarten eintretende Kinder haben manchmal Mühe, sich daran zu halten. Sie können zum Beispiel noch nicht warten, bis sie im Kreis an der Reihe sind. Hier arbeite ich mit visuellen Signalen, zum Beispiel mittels Bildkarten zu den geltenden Regeln. Zudem weise ich einzelne Kinder vor Kreissequenzen nochmals individuell auf das gewünschte Verhalten hin. Fortschritte mache ich sichtbar, indem ich den Kindern positives Feedback gebe. Gute Klassenführung hilft mir, im Schulalltag gesund und zufrieden zu bleiben.

 

Michael Zahnd, Primarschule Birmensdorf, 5. Klasse

Meine Klassen werden zu Beginn eines neuen Klassenzugs jeweils mit Kindern aus verschiedenen Unterstufenklassen zusammengesetzt. Die Schülerinnen und Schüler sind sich folglich verschiedene Führungsstile gewohnt. Entsprechend prallen dadurch beim Eintritt verschiedene Welten aufeinander. Meine Aufgabe ist es, in den ersten Wochen gemeinsam mit den Kindern neue Regeln für den Umgang miteinander zu erarbeiten. Hier bin ich sehr streng. Einer meiner Grundsätze lautet, dass niemand lacht, wenn jemand einen Fehler macht. Denn nur wenn wir alle am gleichen Strick ziehen, kann eine Lerngemeinschaft entstehen. Diese Regeln teile ich auch den Eltern am ersten Elternabend mit. Damit die Kinder mich als Lehrperson respektieren und sie motiviert sind, müssen sie sich von mir ernst genommen fühlen. Hier bildet die Beziehungsgestaltung einen massgebenden Faktor. Eine Lehrperson soll den Schülerinnen und Schülern nicht nur Wissen vermitteln, sondern muss ein echtes Interesse an ihnen als Persönlichkeiten zeigen. Dazu gehört, mich regelmässig nach ihren Freizeitaktivitäten und Hobbys zu erkundigen. Die Schule darf kein abgeschlossenes System ohne Bezug zum Privatleben der Kinder bilden. Entgegen der aktuellen Entwicklung bevorzuge ich in meinen Lektionen den Frontalunterricht. Gruppenunterricht führt meinen Erfahrungen nach zur Bildung von in sich abgeschlossenen «Mini-Gemeinschaften», was sich oft negativ auf Lernfortschritte einzelner Schülerinnen und Schüler und somit auch auf das Lernklima auswirkt.

 

Simone Zoppi, Sekundarlehrerin Schule Lindau

Ich setze in meiner Klassenführung stark auf die Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler. Dies erfordert einen intensiven Zusammenhalt unter den Jugendlichen. Damit die Klasse zu einer Einheit verschmelzen kann, muss ich sie als Lehrerin in wichtige Entscheidungen miteinbeziehen. So erarbeiten wir zum Beispiel unsere Regeln für den Umgang miteinander immer gemeinsam. Nur auf diesem Weg werden diese Prinzipien von allen akzeptiert. Meiner Erfahrung nach funktioniert diese Form der Selbstregulierung gut. Störende Schüler oder Schülerinnen werden so von den Kolleginnen und Kollegen selber gestoppt. Ein wichtiger Erfolgsfaktor dabei ist, dass die Regeln gleich zu Beginn eines neuen Klassenzugs definiert werden. Sonst ist es zu spät. Meinen Stil beschreibe ich als bestimmt und hilfsbereit. Ich lege grossen Wert darauf, meine Linie in der Klassenführung von der ersten Lektion an konsequent durchzusetzen. Dies erfordert insbesondere in der ersten Zeit mit einer neuen Klasse eine hohe Aufmerksamkeit von meiner Seite. Läuft etwas nicht entsprechend meinen Vorstellungen, interveniere ich sofort. Voraussetzung dazu ist eine ständige Präsenz. Die Schülerinnen und Schüler schätzen dies. Sie spüren dadurch, dass ich ihnen echtes Interesse entgegenbringe. Damit ich mit den Jugendlichen eine gute und individuelle Beziehung aufbauen kann, führe ich regelmässig Einzelgespräche. Dabei besprechen wir häufig schulische Themen, es haben aber auch private Anliegen der Schülerinnen und Schüler Platz. Denn das ist auch ein Teil der Klassenführung: dass man den Jugendlichen manchmal einfach nur zuhört.

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