Die Masterarbeit

Julia Lienhard und Fausto Kraut vertieften sich am Ende ihres Studiums in die Thematik der Eltern-Lehrer-Zusammenarbeit. Als Basis ihrer Masterarbeit mit dem Titel «Projekt Copilot – Wahrnehmung der Elternzusammenarbeit aus Sicht der Lehrpersonen» diente das 2014 ins Leben gerufene «Projekt Copilot». Das Projekt der Organisation Caritas unterstützt Eltern mit Migrationshintergrund oder tiefem sozialem Status in schulischen Fragen. Freiwillige Mentoren begleiten die Familien mit regelmässigen Treffen oder Telefonaten. Das übergeordnete Ziel ist die Verminderung der Ungleichheit der Bildungschancen. Dass Kinder aus bildungsfernen Familien schlechtere Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schullaufbahn mitbringen, bestätigen diverse internationale Studien wie beispielsweise die PISA-Studie aus dem Jahr 2000. Diese Studien sowie soziologische Befunde zum Thema Bildung, Migration, sozialer Status und Chancengleichheit stellen den theoretischen Hintergrund für die Arbeit von Lienhard und Kraut dar.
Um ihre Fragestellung «Wie wird die Zusammenarbeit mit Copilot-Eltern aus Sicht der Lehrperson wahrgenommen?» zu beantworten, führten die beiden, Autorin und Autor, Befragungen mit fünf betroffenen Lehrpersonen durch. Nach der Analyse der Interviews stellten sie zunächst fest, dass bei den Lehrpersonen eine Unzufriedenheit im Hinblick auf die Qualität der allgemeinen Eltern-Lehrer-Zusammenarbeit herrscht. Besonders der Informationsfluss, welcher ein wichtiger Faktor für die gelungene Zusammenarbeit ist, stellt gemäss den Befragungen häufig ein Hindernis dar. Als mögliche Gründe hierfür wurden sprachliche Barrieren, fehlendes Interesse, niedrige Erwartungen seitens der Eltern oder auch Schüchternheit beziehungsweise Scham genannt. Diese Aussagen zur allgemeinen Zusammenarbeit mit den Eltern unterschieden sich von jenen zur Zusammenarbeit mit Copilot-Eltern: Die Lehrpersonen beschrieben Copilot-Eltern als auffallend kooperativ, interessiert und offen. Ebenso seien sie aktiv in der Kontaktaufnahme. Wie aus den Interviews hervorgeht, getrauen sie sich bei Problemen oder Verständnisfragen eher nachzufragen. Generell wirken Copilot-Eltern gut informiert und ihre Kinder fallen in drei von vier Fällen nicht negativ auf.
Im Ergebnis kommen die Studierenden zum Schluss, dass die Zusammenarbeit mit den Copilot-Eltern von den Lehrpersonen als durchwegs positiv bewertet wird. Die Lehrpersonen äusserten jedoch eine einschränkende Vermutung: Sie glauben, dass die wahren «Problemeltern» mit dem Projekt gar nicht erst erreicht werden. Folglich würde sich laut der Autorin und dem Autor die weiterführende Frage ergeben, wie die Lehrpersonen optimal in das Projekt integriert werden können. Eine mögliche Lösung wäre, dass Lehrpersonen die entsprechenden Eltern direkt auf das Projekt aufmerksam machen. Julia Lienhard und Fausto Kraut geben allerdings zu bedenken, dass dabei besondere Vorsicht geboten wäre, da die Einmischung in Erziehungsfragen von den Eltern teilweise ungern gesehen wird.

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