Die Masterarbeit

«Das Verhältnis der Deutschschweizer zum Schriftdeutschen ist vertrackt: Eine Mehrheit nimmt Schriftdeutsch als Fremdsprache wahr.» Dies hat ein Journalist im «Beobachter» unter dem Titel «Das Deutsch der Schweizer» geschrieben. Forschungen auf diesem Gebiet stützen seine These. Student Jonas Schuhmacher interessiert sich seit jeher für die Wissenschaft der deutschen Sprache. Als künftigen Sekundarlehrer beschäftigt ihn dabei spezifisch die optimale Vermittlung der deutschen Sprache. So hat er das Thema in seiner Masterarbeit aufgenommen. Der Titel der Arbeit lautet «Die Vermittlung des mündlichen Standarddeutschen an Deutschschweizer Schulen». Mittels qualitativer Interviews hat er für seine Arbeit acht Sekundarlehrpersonen aus dem Kanton Zürich befragt. Vier Lehrpersonen unterrichten seit mehr als 25 Jahren, die andere Hälfte der Befragten seit höchstens zehn. Jonas Schuhmacher wollte von ihnen wissen, wie sie mit der mündlichen Standardsprache im Schulunterricht umgehen. Es sei wichtig, dass sich Lehrpersonen bei der Vermittlung an «mentalen» Modellen orientieren, schreibt er. Diese sollen einen selbstbewussten Umgang mit der gesprochenen Standardsprache in der Deutschschweiz fördern. Folglich formulierte er seine Forschungsfrage so, dass die Wahl des Modells im Fokus des Interesses steht. Er wollte herausfinden, welche Modelle nach Helen Christen, Professorin für Germanistische Linguistik, von den Zürcher Sekundarlehrpersonen verwendet werden, um einen selbstbewussten Umgang mit dem Standarddeutschen zu fördern.
Das Handeln der einzelnen Lehrpersonen lässt sich in drei Typen zusammenfassen. Bei vier Lehrpersonen ist eine deutliche Orientierung an den Modellen A und D erkennbar. Modell A zeichnet sich einerseits durch das Vorhandensein eines Plurizentrizitätsbewusstseins bezüglich des mündlichen Standarddeutschs aus, also eines Bewusstseins dafür, dass die Standardsprache innerhalb des gesamten deutschsprachigen Raumes unterschiedliche Charakteristika aufweist. Andererseits aber auch durch die aktive Thematisierung der Plurizentrizität.
Modell D steht dafür, dass man sich bei der Verwendung des Standarddeutschen wohlfühlt und es in sämtlichen Unterrichtssituationen verwendet. Zwei dieser Lehrpersonen orientieren sich hauptsächlich an den Modellen A und D. Zwei weitere Lehrpersonen können einem zweiten Typen zugeordnet werden, da sie sich zusätzlich an Ansätzen des Modells C orientieren. Modell C zeichnet sich dadurch aus, dass Deutsch vor allem als Lese- und Schreibsprache wahrgenommen wird. Die vier restlichen befragten Lehrpersonen können keinem Modell zugeordnet werden, sie sind auf keines speziell fokussiert. Sie greifen im Unterricht oft auf den Dialekt zurück. Die Hälfte der Befragten identifiziert sich also mit allen Modellen ungefähr gleich, während die andere Hälfte ausgeprägter zwei Modellen folgt. In seinem Fazit überlegt sich Jonas Schuhmacher, welche Bedeutung die Resultate für den Unterricht haben. Er empfiehlt zur Vermittlung eines selbstbewussten, authentisch gesprochenen Standarddeutschs, gestützt durch den Theorieteil, die Orientierung an den Modellen A und D.

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