Eine Frage, drei Antworten: Welche Aufgaben muss die Schule lösen?

Sarah Knüsel, Präsidentin Schulleitendenverband VSLZH

Sarah Knüsel, Präsidentin Schulleitendenverband VSLZH

Aktuell   sind die grossen Herausforderungen die Einführungen des neuen Lehrplans sowie des Berufsauftrages für die Lehrpersonen. Dies vor dem Hintergrund, dass an vielen Orten gespart werden muss. Die Schulleitungen müssen dabei klar, kompetent und umsichtig reagieren und handeln in einem Umfeld, welches sich oft nicht dementsprechend verhält. Zwei der grössten Aufgaben sind die Organisation des gesamten ICT-Bereichs in einer Zeit, in welcher die Schule der Entwicklung stets hinterherhinkt, sowie die Sonderpädagogik, wo alle besonderen pädagogischen Bedürfnisse optimal gefördert und unterstützt werden sollen. Weiter bestehen Schnittstellenproblematiken bei den Stufenübergängen, die lokal und kantonal gelöst werden müssen. Ändert sich auf einer Stufe etwas, muss die darauffolgende Stufe reagieren. Werden dabei ungünstige Mechanismen geschaffen, gilt es, diese zu erkennen und anzupassen. Aus der Praxis höre ich vermehrt, dass bereits der Übergang in den Kindergarten mit Schwierigkeiten verbunden ist, da die Kinder zuvor zu wenig Frühförderung erlebt haben und zum Beispiel mit mangelnden Deutschkenntnissen oder logopädischen Problemen eintreten. Herausforderungen werden uns immer beschäftigen ‒ nicht nur in der Schule. Wichtig ist, dabei auf die persönliche Gesundheit und gleichzeitig auf die Vernetzung zu achten, so dass man diese Aufgaben gemeinsam angehen kann.

 

Hans-Jürg Keller, Innovationsmanager PH Zürich

Hans-Jürg Keller, Innovationsmanager PH Zürich

Eine grosse Herausforderung   ist, auf die Vielfalt der Schülerinnen und Schüler einzugehen. Dank all der engagierten Lehrpersonen wird Schule sicher weiterhin eine grosse soziale Integrationskraft haben. Aber welche Chancen haben Schülerinnen und Schüler später in der Arbeitswelt? Viele Arbeiten werden in Zukunft kaum mehr von Menschen erledigt. Routinearbeiten und zunehmend auch komplexere Arbeiten werden automatisiert. Viele der heutigen Berufe wird es nicht mehr geben. Andere Berufe werden bleiben, neue entstehen. Sie erfordern mehr Kompetenzen als diejenigen, die für Routinearbeiten nötig sind. Empathie, kritisches Denken, Problemlösefähigkeiten und Kreativität gehören dazu. Allen Schülerinnen und Schülern den Erwerb dieser Kompetenzen und damit die Teilhabe an der Arbeitswelt der Zukunft zu ermöglichen, stellt für die Schule eine sehr grosse Herausforderung dar.

 

Christine Schwab, Sekundarlehrerin in Urdorf

Christine Schwab, Sekundarlehrerin in Urdorf

«Was, du arbeitest als Oberstufenlehrerin? Das könnte ich nie!» Wie oft schon habe ich diese Reaktion auf die Frage nach meinem Beruf gehört. Aber welche Aufgaben lassen meine Arbeit so schwierig erscheinen? Nebst den steigenden Anforderungen an den Unterricht sehe ich eine Herausforderung darin, dass wir als Schule verstärkt unseren Erziehungsauftrag wahrnehmen müssen. Termine etwa mit der Jugendberatungsstelle, den Polizisten für Internet- und Suchtprävention oder dem Schulsozialarbeiter füllen die Arbeitswoche zusätzlich aus. Wir müssen uns den immer deutlicheren Gegensätzen unserer Gesellschaft stellen, Unterschiede akzeptieren. Der interkulturellen Erziehung soll somit mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, und eine Auseinandersetzung mit Werten muss von zentraler Bedeutung sein. Herausforderungen sind dies bestimmt – ich sehe es aber auch als Privileg, Jugendlichen Werkzeuge für die Bewältigung ihres Lebens mitgeben zu dürfen.

 

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