Theaterspielen gegen eine «verkopfte» Welt

Das Theaterspielen fördert die Kreativität von Kindern und regt ihre Fantasie an. Die PH Zürich setzt hier an und bietet eine CAS-Weiterbildung in Theaterpädagogik an. Lehrerin Alice Hauschild absolviert zurzeit diese Ausbildung und ist begeistert.

Will Theater wieder wichtig machen: Lehrerin Alice Hauschild bei den Proben mit ihrer Klasse. Foto: Fabia Bernet

Will Theater wieder wichtig machen: Lehrerin Alice Hauschild bei den Proben mit ihrer Klasse. Foto: Fabia Bernet

Alice Hauschild hüpft und zieht Grimassen. Neben und vor ihr stehen sechs Kinder im Mittelstufenalter. Vier Mädchen, zwei Jungs. Sie imitieren eifrig die 49-Jährige, die hauptberuflich als Sportlehrerin tätig ist. Alice Hauschild klatscht in die Hände. Es gilt nun, das Klatschen im Kreis so schnell wie möglich weiterzugeben. Lautes Lachen und freudig quiekende Kinderstimmen mischen sich in den Rhythmus. Mit den Übungen wärmt sich die Gruppe für die bevorstehende Probe auf.
Die Kinder besuchen das Freifach Theater. Dieses hat Alice Hauschild im Zuge ihrer CAS-Weiterbildung «Theaterpädagogik» ins Leben gerufen. Gemeinsam mit den Kindern erarbeitet sie nun ein Theaterstück, das sie später aufführen werden. «Es ist mir wichtig, die Geschichte gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zu kreieren», sagt Hauschild. Die Inszenierung ist  Teil der Weiterbildung. Im März 2016 hat sich die Lehrerin für den CAS entschieden. 35 Präsenzveranstaltungen werden in sechs thematische Sequenzen aufgeteilt. Hier erhalten die Teilnehmenden Impulse, die sie später bei der praktischen Umsetzung unterstützen sollen.

Satz für Satz zu einer Geschichte
Im ersten Teil der Weiterbildung sind die teilnehmenden Lehrpersonen selbst die Spielenden. Darauf hat sich Alice Hauschild am meisten gefreut. Vor über 20 Jahren hat sie in Zürich eine Theaterschule besucht. Nun will sie dem Theater wieder einen Platz in ihrem Leben gewähren. «Ich will Theater wieder wichtig machen», sagt sie.
Von der Wichtigkeit des Theaterspielens überzeugt ist auch Andi Thürig, Dozent an der PH Zürich im Bereich Musik und Performance und Co-Leiter des CAS Theaterpädagogik: «Theater ist ein guter Gegenpol zu unserer ‹verkopften› Welt.» Die Fantasie der Kinder und Jugendlichen werde wieder angeregt. Dass dies funktioniert, zeigen die Proben der Theaterproduktion von Alice Hauschild. Ein Kind sagt einen Satz, der nächste folgt vom zweiten Kind. Satz für Satz entsteht eine Geschichte. «Ich will die Kinder ihren Weg finden lassen», sagt sie.

Kleiner Aufwand – grosse Wirkung
Die Weiterbildung ist genauso spannend, wie Alice Hauschild sich das vorgestellt hat. Sie profitiere von der klaren und praxisorientierten Struktur. Der CAS sei für jede Lehrperson geeignet, sagt Dozent Andi Thürig. «Man muss nicht einmal besonders theateraffin sein.» Neugierde und Offenheit seien aber Grundvoraussetzung. Das Gelernte kann danach in vielen Bereichen des Unterrichts eingebracht werden. «Auch im normalen Unterricht lassen sich Elemente der Theaterpädagogik einflechten», sagt er. Mit kleinem Aufwand kann mit Stilmitteln aus dem Bereich des Theaters eine grosse Wirkung erzielt werden.
Der Schwerpunkt des CAS liegt auf der eigenen praktischen Spielerfahrung und dem Erleben von Entwicklungs- und Probeprozessen. «Ich habe die ganze Palette des Theaters erlebt», sagt Alice Hauschild. Dass sie von der Weiterbildung profitiert hat, merkt man, wenn sie die Kinder während der Probe mit bestimmter Stimme anweist und dennoch immer genug Platz lässt für Spontanität und Kreativität.

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