Tagesschule Leutschenbach: keine verpflichtenden Hausaufgaben mehr

Statt mit Hausaufgaben arbeitet die Tagesschule Leutschenbach mit der sogenannten «Erweiterten Freiarbeit». Die ersten Erfahrungen sind positiv.Insgesamt fünf Stadtzürcher Schulen werden seit Beginn des laufenden Schuljahres im Rahmen des Pilotprojekts «Tagesschule 2025» als Tagesschule geführt – so auch die Schule Leutschenbach. Eines der Ziele des Projekts ist die Förderung der Chancengleichheit der Schülerinnen und Schüler. In diesem Zusammenhang hat die Schule Leutschenbach unter anderem ein neues Konzept im Bereich Hausaufgaben entwickelt. Demnach bestehen für alle Schulstufen keine verpflichtenden Hausaufgaben mehr. «Hintergrund der Regelung ist, dass unsere Schülerinnen und Schüler zuhause sehr unterschiedlich unterstützt werden. Viele Eltern können ihren Kindern bei den Hausaufgaben nicht helfen. Wir haben nun ein Konzept entwickelt, welches einen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit leisten soll», sagt Schulleiter Michael Knechtle.
Die Schule nennt das Konzept «Erweiterte Freiarbeit (EFA)»: Je nach Schulstufe arbeiten die Schülerinnen und Schüler drei oder vier Mal pro Woche während einer Stunde nach dem regulären Unterricht an individuellen Aufgaben – beispielsweise an ihren Wochenplänen beziehungsweise den darin definierten Lernzielen. Michael Knechtle: «Das Gefäss steht für eine Vertiefung von im Unterricht bereits behandelten Themen zur Verfügung. Die Stunde soll als zusätzliche Lernzeit genutzt werden. Die Schülerinnen und Schüler profitieren dabei kognitiv wie sozial, da teilweise auch gemeinsam an Aufgaben gearbeitet wird.» Betreut werden die Schülerinnen und Schüler von einer Lehr- oder Betreuungsperson aus dem Team.

Positive Signale aus der Schülerschaft
Ein zusätzlicher Effekt des Systems ist, dass am Morgen im Unterricht keine Zeit zur Besprechung und Kontrolle der Hausaufgaben verwendet werden muss. Gleichzeitig fällt jedoch eine mögliche positive Funktion weg: jene der Hausaufgabe als «Schaufenster» der Schule für die Eltern. Es sei zu Beginn von einigen Eltern kritisiert worden, dass sie nun nicht mehr wüssten, was in der Schule läuft, erläutert Michael Knechtle. «Wir haben auf diese Kritik reagiert und unser Konzept erweitert», so der Schulleiter. Die Schülerinnen und Schüler notieren ihre in den EFA-Stunden bearbeiteten Aufgaben nun in einem eigens dafür vorgesehenen Journal, welches sie zuhause zeigen können.
Rückblickend auf das erste halbe Jahr bewertet der Schulleiter EFA als erfolgsversprechend. «Die Idee funktioniert, und die ersten Rückmeldungen aus dem Team und beispielsweise auch von Elternorganisationen sind positiv.» Zwar bedeute das System aufgrund des hohen Grades an individueller Betreuung eine grosse Herausforderung. «Ich bin jedoch davon überzeugt, dass wir uns damit als Schule weiterentwickeln.» Ein wichtiges Signal kommt auch aus der Schülerschaft: Obwohl die Teilnahme an EFA nicht obligatorisch ist, machen fast alle Schülerinnen und Schüler mit.

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