Die Überlegenheit der Holzkohle

Dario Venutti ist Student auf der Sekundarstufe II und Tutor im Schreibzentrum der PH Zürich.

Dario Venutti ist Student auf der Sekundarstufe II und Tutor im Schreibzentrum der PH Zürich.

Grilleure teilt man in drei Glaubensrichtungen ein: in die Anhänger des Gasgrills, des Elektrogrills und die Orthodoxen, die Fleisch über der Holzkohle braten. Alle sind überzeugt, sie kriegten es am besten hin.In meinem Quartier leben die drei Glaubensgemeinschaften friedlich nebeneinander. Doch einmal im Monat setzt sich der wahre Glaube durch: Wenn meine Nachbarn das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Abend haben, versammeln sie sich um meine Feuerschale, die gute Holzkohle produziert. In der Regel strömen sie gleich nach dem ersten Rauchzeichen herbei mit Weinflaschen in der einen und Fleisch in der andern Hand. Geht im Verlauf des Abends das Holz zur Neige, besorgen sie Nachschub. Manch einer hat es sich angewöhnt, die Kartonschachteln der letzten Pizzalieferung in die Feuerschale zu werfen.
Diese Abende sind zu einem Ritual geworden. Sie erinnern jedes Mal daran, welche Bedeutung die Erfindung des Feuers vor etwa einer Million Jahren noch heute hat. Kulturwissenschaftler sind sich einig, dass das Feuer die soziale und kulturelle Entwicklung der Menschen vorantrieb: Während sie um das Feuer standen, erzählten sie sich erstmals Geschichten, sangen oder tanzten – alles wichtige Aktivitäten für die Herausbildung einer Gemeinschaft.
Welch armseliges Geschöpf wäre aus dem Menschen geworden, hätte er den Elektro- oder Gasgrill vor dem Feuer entdeckt.

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