Gute Schulführung: die Sicht aus dem Schulfeld

Was sind die Erfolgsfaktoren guter Schulführung? Eine Lehrerin, ein Schulleiter und die Leiterin einer Schulverwaltung schildern ihre Erfahrungen.

Lucia Schlüssel Primarschullehrerin in Andelfingen.

Lucia Schlüssel, Primarschullehrerin in Andelfingen.

Während der vergangenen 20 Jahre habe ich verschiedene Formen von Schulführung erlebt. Darunter sind gute Beispiele, aber auch andere. Aktuell unterrichte ich als Klassenlehrerin in Andelfingen. Gute Schulführung heisst für mich, uneigennützig im Dienste der Gemeinschaft und gesamten Schule zu handeln. Dies gilt für alle Personen mit Führungsaufgaben in einer Schulgemeinde: Schulpflege, Schulverwaltung, Schulleitung, Lehrpersonen. Ein wichtiger Faktor ist die Möglichkeit zur Partizipation, damit jeder sein Bestes geben kann. Dabei müssen Ansichten und Rückmeldungen aller Beteiligten Beachtung finden, weil Scheinpartizipation nur zu unnötiger Ressourcenverschwendung führt. Wenn Partizipation gelingt, trägt dies viel zur Identifikation mit der Schule bei, was meiner Ansicht nach eine wichtige Voraussetzung ist, um das Team mit ins Boot zu holen. Ebenfalls von Bedeutung für eine erfolgreiche Schulführung sind die Zielsetzungen. Die Ambitionen dürfen nicht zu hoch sein und müssen den Möglichkeiten der einzelnen Beteiligten entsprechen. Die Primarschule Andelfingen kann unter anderem aufgrund der Bevölkerungsstruktur und der guten finanziellen Situation relativ hohe Ziele setzen. Doch auch bei uns gilt: Teil einer realistischen Planung ist es, nicht zu viele Projekte gleichzeitig zu führen sowie den Fokus auf wichtige Angelegenheiten zu setzen. Denn das Ziel ist es, als Gemeinschaft nachhaltig und langfristig zu planen und zu handeln.

 

Jörg Berger, Schulleiter Schule Knonau.

Jörg Berger, Schulleiter Schule Knonau.

Ich bin seit neun Jahren Schulleiter in Knonau. Zuvor habe ich sechs Jahre als Klassenlehrer unterrichtet. Für eine erfolgreiche Führungsarbeit im schulischen Umfeld ist es entscheidend, dass ich das Prinzip der Steuerung im Bildungswesen verstehe. Schulen sind besondere soziale Organisationen und funktionieren anders als beispielsweise Unternehmen in einem technischen Umfeld. Meiner Ansicht nach wirken bei uns die Menschen stärker aufeinander ein. Wie sich die Lehrpersonen die positiven Aspekte dieses Einwirkens zunutze machen, ergibt sich aus ihren individuellen Wahrnehmungen und Fähigkeiten sowie aus ihren Motivationen und Kompetenzen im eigenen Handeln. All dies wirkt sich auf meine Arbeit aus. Ich sehe meine Aufgabe als Schulleiter insbesondere darin, den Lehrpersonen ein Umfeld zur Verfügung zu stellen, in dem sie sich entfalten können. Dies bedingt, dass wir immer wieder gemeinsam über unsere Vorstellungen einer guten Schule und über mögliche Entwicklungen sprechen. Wichtig ist mir dabei, dass dafür keine unnötigen Sitzungen abgehalten werden müssen. Ich habe zum Beispiel die wöchentlichen Besprechungen schon lange abgeschafft. Wichtige schulentwicklerische Themen besprechen wir in unseren pädagogischen Konferenzen, welche sieben Mal im Jahr stattfinden. Die darin beschlossenen Ziele dürfen ambitioniert, jedoch nicht zu hoch angesetzt sein. Die Schulleitung braucht dabei ein gutes Gespür, was zeitlich möglich ist. Ebenfalls eine wichtige Voraussetzung ist Vertrauen – sowohl in sich selber als auch in das Team.

 

Carmen Wolff, Leiterin der Schulverwaltung der Sekundarschule Wetzikon Seegräben.

Carmen Wolff, Leiterin der Schulverwaltung der Sekundarschule Wetzikon Seegräben.

Als Leiterin der Schulverwaltung bilde ich mit einer Schulleiterin unserer Sekundarschule die Geschäftsleitung. Gemeinsam mit ihr manage ich das operative Geschäft. Wir sind die Schnittstelle zwischen der Schulpflege, welcher die strategische Führung obliegt, und der Schule. Das Modell hat sich sehr bewährt. Die Trennung zwischen strategischer und operativer Führung ist ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Schulführung, da die Zuständigkeiten so klar geregelt und die Entscheidungswege kurz sind. Neben regelmässigen Sitzungs- und Austauschgefässen braucht es meiner Erfahrung nach auch eine gewisse Unkompliziertheit im Umgang. Wir pflegen in Wetzikon eine Kultur der offenen Türen. Dringende Angelegenheiten lassen sich so auch einmal einfach und ohne Traktandenliste und Protokoll besprechen. Dass mein Büro im Schulhaus untergebracht ist, begünstigt dies. So sind die Wege kurz und man trifft sich auch immer wieder spontan zu einem informellen Austausch im Lehrerzimmer oder auf dem Schulgelände. Darüber hinaus ist ganzheitliches Denken absolut zentral für eine erfolgreiche Schulführung – das heisst, nicht nur das eigene Aufgabengebiet, sondern die Bedürfnisse sämtlicher Anspruchsgruppen der Schule im Auge zu haben. Ganz wichtig dabei: Konsens suchen und unterschiedliche Kompetenzen erkennen und nutzen. Nicht zuletzt heisst gute Schulführung auch, sich für Forschungsergebnisse zu interessieren und Begeisterung wecken zu können für Weiterentwicklungen.

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