Umgang mit Onlinemedien

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Frustriert über mangelnden Schulerfolg widmet sich ein Junge intensiv Computerspielen. Dabei erlebt er sich stark und kompetent und vernachlässigt darüber das Lernen und die Hausaufgaben immer mehr. So verschlechtern sich seine schulischen Leistungen zunehmend, was zu noch mehr Frustration führt.Ein Mädchen ist frustriert, weil sie morgens verschlafen hat und es Streit mit den Eltern gab. Sie holt sich Bestätigung über «Likes» für ein Selfie-Bild auf Instagram. Nachts bekommt sie wieder zu wenig Schlaf, weil sie noch lange am Handy kommuniziert hat.
Solche typische Teufelskreis-Muster werden im wissenschaftlich fundierten und praxisnahen Ratgeber von Isabel Willemse anhand von Fallbeispielen analysiert. Die Autorin differenziert bei der Entstehung von Onlinesucht die drei Faktoren Person (z.B. ungünstiger Umgang mit Stress), Umwelt (z.B. fehlende Tagesstruktur) und Medium (z.B. Gruppenzwang bei Games mit Team-Konstellationen). Ausserdem werden am Ende Hinweise für den konstruktiven Umgang mit medialen Suchtphänomenen vorgestellt. Arbeitsblätter für die Entwicklung von Medienkompetenz in der Familie und ein Glossar runden das Buch ab.
Generell stellt sich die Frage, ab wann genau im Kontext von Mediennutzung von Sucht gesprochen werden sollte und wo die Grenzen zwischen Suchtverhalten und intensiver Nutzung liegen. Der Verdacht steht im Raum, dass bei manchen Buchtiteln dramatisierende und pathologisierende Formulierungen auch mit medialer Aufmerksamkeitserregung zu tun haben, z.B. «Digitaler Burnout» (Alexander Markowetz), «Digital Junkies» (Bert Te Wildt) oder «Digitale Demenz» und «Cyberkrank» (Manfred Spitzer). Von solch pauschalisierenden und skandalisierenden Darstellungen ist «Onlinesucht» von Isabel Willemse weit entfernt.

Interview mit der Autorin

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Isabel Willemse. Onlinesucht: Ein Ratgeber für Eltern, Betroffene und ihr Umfeld. Göttingen: Hogrefe, 2015. 157 Seiten.

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