Mastermind

Sherlock Holmes ist nicht totzukriegen. Weder der Reichenbachfall noch der Tod seines Schöpfers Arthur Conan Doyle vermochten dem Mythos ein Ende zu setzen. TV-Serien wie «Sherlock» (BBC 2010–) und «Elementary» (CBS 2012–) transponieren die beliebten Abenteuer in unsere Gegenwart, und Guy Ritchies effektvolle Spielfilme feiern den famosen Denker als furiosen Actionhelden. Wesentlich ruhiger geht es Regisseur Bill Condon in «Mr. Holmes» (Ascot Elite 2016) an. 1947 hat sich Holmes (Ian McKellen) auf dem Land zur Ruhe gesetzt, züchtet Bienen und kämpft gegen Alter und Demenz. Freund Watson, der als Erzähler einiges dazugedichtet hat, ist längst gestorben, und so greift der 93-jährige Holmes selber zur Feder, um das Scheitern in seinem letzten Fall aufzuarbeiten.
Sherlock kommt allerdings nicht als Genie zur Welt. Seine Fähigkeiten hat er über Jahre trainiert und ausgeformt, wie Maria Konnikova in der «Kunst des logischen Denkens» (Ariston 2013) ausführt. Schritt für Schritt zeigt sie, wie wir durch Übung und Achtsamkeit bald ebenso scharfsinnig analysieren und kombinieren können wie das fiktionale Superhirn aus der Baker Street 221 B.
Der Meisterdetektiv zählt nicht nur zu den berühmtesten Gestalten der Weltliteratur. Laut Guinness-Buch der Rekorde ist er die menschliche Romanfigur mit den meisten Film- und Fernseh­auftritten. Wie er zum Mythos und Medienstar aufstieg, erzählt Mattias Boström in seinem Buch «Von Mr. Holmes zu Sherlock» (btb 2016). Hier erfahren wir auch, dass der meistzitierte Satz des Detektivs in Conan Doyles Geschichten gar nicht vorkommt.

Trailer «Mr. Holmes»

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Mr. Holmes. GB 2015. Regie: Bill Condon. Zürich: Ascot Elite, 2016. DVD.

Maria Konnikova. Die Kunst des logischen Denkens: Scharfsinnig analysieren und clever kombinieren wie Sherlock Holmes. Aus dem Englischen von Andrea Panster. München: Ariston, 2013. 399 Seiten.

Mattias Boström. Von Mr. Holmes zu Sherlock: Meisterdetektiv, Mythos, Medienstar. Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann u. Hanna Granz. München: btb, 2015. 608 Seiten.

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