In sieben Schritten vom Problem zur Lösung

Beim «Problem-based Learning» (PBL) steht produktives und selbstgesteuertes Lernen anhand von Problemen im Zentrum. Der Ansatz findet insbesondere in der Hochschulbildung und der höheren Berufsbildung Verbreitung. Mitte Juni fand dazu an der PH Zürich ein internationaler Kongress statt.

Workshop «PBL in den MINT-Fächern» an der PH Zürich mit Ulrike Keller von der Hochschule Rosenheim.

Workshop «PBL in den MINT-Fächern» an der PH Zürich mit Ulrike Keller von der Hochschule Rosenheim. Foto: Niklaus Spoerri

Explorative Lernumgebungen gelten als erfolgsversprechende Konzepte, um die Kompetenzentwicklung innerhalb von Bildungsgängen zu etablieren und Lernprozesse und Handlungskompetenzen umfassend zu fördern. Inwieweit Problem-based Learning und verwandte Ansätze dieser Prämisse entsprechen, wurde am internationalen Kongress «Problem-based Learning – Kompetenzen fördern, Zukunft gestalten» Mitte Juni an der PH Zürich diskutiert. Der Kongress wurde in Kooperation zwischen der Careum Stiftung, der Pädagogischen Hochschule Zürich und der ZHAW Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften durchgeführt.
Problem-based Learning (auch problembasiertes, problemorientiertes Lernen genannt) ist ein fokussiertes, experimentelles Lernen rund um die Erforschung, Erklärung und Lösung von bedeutsamen Problemstellungen. Die Lernenden arbeiten möglichst selbstgesteuert in kleinen von Lehrpersonen respektive Tutoren betreuten Gruppen. Neben dem namensgebenden Lernen mit Problemen sind demnach beim PBL noch weitere Faktoren zentral wie das Lernen in Kleingruppen, die Lernprozessbegleitung durch einen Tutoren sowie das selbstgesteuerte Lernen. PBL kann verschiedene Formen annehmen, je nach Wissensdomäne, in der es eingesetzt wird, und je nach den Bildungszielen bzw. Kompetenzen, die verfolgt werden. Verwandte Lernansätze sind beispielsweise das Projektorientierte Lernen oder das Case-based Learning (Lernen an Fällen, Fallbasiertes Lernen).
Beim «klassischen Ansatz» von PBL kommt die sogenannte «7-Sprung- Methode» zum Einsatz, eine Prozessstrategie, welche Lernende bei der Problembearbeitung und Wissensgenerierung leitet. Bis auf einen der insgesamt sieben Schritte durchlaufen die Lernenden alle Schritte in der von einem Tutor bzw. einer  Tutorin betreuten Kleingruppe. Ausgangspunkt ist dabei stets eine berufs- oder disziplinbezogene Problemstellung. Lernende analysieren in Kleingruppen das Problem je nach Inhalt, Fachrichtung oder Lernstufe. Sie aktivieren ihr Vorwissen, klären ihre offenen Fragen und ergründen grundlegende Fragestellungen, die für die Problembearbeitung leitend sind. Anschliessend erarbeiten die Lernenden im Selbststudium Lösungswege, erschliessen Widersprüche und verknüpfen Vorwissen mit neuen Inhalten. Das heisst, sie beschaffen sich in Einzelarbeit Informationen und erwerben Wissen, um das anstehende Problem verstehen zu können. Schliesslich treffen sie sich erneut und diskutieren die erarbeiteten Inhalte. In der Diskussion beurteilt die Gruppe, begleitet durch die Lehrperson (Tutorin, Tutor) die Lösungswege, dabei wird die Verknüpfung zwischen Vorwissen und neu erarbeiteten Inhalten besprochen und transparent gemacht.

Förderung der Kompetenzorientierung
Das Sonderheft der Zeitschrift für Hochschulentwicklung ZFHE (Jg. 11/Fr. 3, Mai 2016) umfasst 14 Beiträge zu Umsetzung von PBL und verwandten Ansätzen. Die Beiträge zeigen auf, wie explorative Lernansätze zur Förderung der Kompetenzorientierung an Bildungsinstitutionen eingesetzt werden können. Weitere Informationen: pbl2016.ch

Monika Schäfer ist Leiterin des Kompetenzzentrums Bildungsentwicklung in der Careum Stiftung.

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