Eine Frage, drei Antworten: Wie gehen Sie mit Konflikten um?

Priska Brülhart, Mittelschullehrerin und Bildungsrätin

Priska Brülhart, Mittelschullehrerin
und Bildungsrätin

Als   Kind   war   ich eher harmoniebedürftig und versuchte, mit allen gut auszukommen. Wenn man jedoch politisch tätig ist, kann man Konflikten nicht aus dem Weg gehen. Hier bin ich gefordert, Stellung zu beziehen, meine Meinung sachlich zu äussern, sie mit Argumenten zu stützen oder manchmal auch zu hinterfragen. Will man gehört werden, darf man nicht lockerlassen, muss nachfragen und nachhaken. Aber man muss auch damit leben lernen, mit seiner Meinung manchmal in der Minderheit zu sein. Anfangs fiel mir das nicht immer leicht, doch mit der Zeit lernte ich, Niederlagen nicht persönlich zu nehmen und mit vollem Einsatz wieder nach vorne zu schauen. Im Lehrberuf sind diese Erfahrungen sehr hilfreich. Man steht mit seiner ganzen Persönlichkeit im «Rampenlicht» und wird bewusst oder unbewusst von allen ständig begutachtet. Da kommt es natürlich gelegentlich vor, dass Kritik an mir geübt wird. Ich versuche immer, diese zuerst ruhig entgegenzunehmen, dann innerlich einen Schritt zur Seite zu treten und darüber nachzudenken, wo der Kern des Problems liegt. Erst dann gebe ich eine Rückmeldung dazu. Das Wichtigste dabei ist auf jeden Fall immer der Respekt vor der anderen Person, seien es Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzte. Doch ich erwarte vom Gegenüber ebenfalls, dass auch ich als Persönlichkeit respektiert werde.

Bandli

Otto Bandli, Berater an der PH Zürich

Konflikte   sind   bei   mir stets mit vielen Emotionen verbunden, und immer wenn Emotionen im Spiel sind, geschieht sehr viel unbewusst. Ich stelle mir dann die Frage, was bei mir oder beim Gegenüber wohl die Empörung ausgelöst hat. Empörung ist für mich das Leitmotiv von Konflikten. Oft geht es dabei um Normverletzungen, um mangelnde Wertschätzung oder um unerfüllte eigene Bedürfnisse. Wenn ich mich im beruflichen Kontext zum Beispiel in meiner Fachlichkeit angegriffen fühle, bin ich empört. Und die Empörung rechtfertigt Gegenschläge, und so eskalieren Konflikte. Beim Konfliktlösen versuche ich Sichtweisen stehen zu lassen, meine Bedürfnisse klar zu artikulieren, die Bedürfnisse des Gegenübers zu erfragen und allfällige Irritationen zeitnah anzusprechen. Ich versuche stets, auch konflikthaften Situationen mit einer Portion Gelassenheit zu begegnen und dabei die Emotionen möglichst auszublenden.

Nicole Wagner, Waldspielgruppen-Leiterin Zürich-Affoltern

Nicole Wagner, Waldspielgruppen-Leiterin Zürich-Affoltern

Ich   arbeite   mit Spielgruppenkindern im Wald und empfinde dies als das ideale Terrain, um Aggressionen und Konflikten zu begegnen. Der Wald beruhigt, viel Wut verpufft. Ich denke, viele Konflikte treten so gar nie erst zutage. Was den Streit auslöst, ist häufig nicht anders als bei uns Erwachsenen: etwas als unfair empfinden, nicht wahrgenommen werden in seinen Bedürfnissen etc. Wenn immer möglich, versuche ich die Kinder den Konflikt selber austragen zu lassen, beobachtend. Geht es nicht weiter, höre ich alle Beteiligten an, neutral und nicht wertend. Ich versuche, ihre Gefühle zu spiegeln und Lösungsvorschläge zu erfragen. Häufig helfen auch die Kinder rundherum mit und machen Vorschläge, die mich immer wieder überraschen. Wenn es gelingt, dass sie auf diesem Weg Frieden schliessen können, ist dies ein grandioses Gefühl für alle Beteiligten. Aber nicht immer habe ich dafür genügend Geduld.

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