Studierendenporträt

Benjamin Brunner wusste schon zu Studienbeginn, dass er einmal ein Semester im Ausland verbringen will. Skandinavien war sein Wunsch, zugeteilt wurde er schliesslich etwas südlicher: in die estnische Hauptstadt Tallinn.

Benjamin Brunner, 27, studiert an der PH Zürich auf der Primarstufe.

Benjamin Brunner, 27, studiert an der PH Zürich auf der Primarstufe.

Als er dies erfuhr, musste der erprobte Weltenwanderer zunächst Google konsultieren, um sich einen Überblick zu verschaffen. Er ging im August hin und kam Ende Dezember 2016 als reicher Mann zurück: «Es war eine wunderbare Zeit und ich habe enorm viele Erfahrungen mitgenommen.» Sein aussergewöhnliches Interesse an Land und Leuten schätzten die estnischen Mitstudierenden sehr. Erasmus-Studierende in Tallinn, so waren sie sich gewohnt, bleiben sonst am liebsten unter sich. Der angehende Primarlehrer dagegen wollte alles wissen, und so nahmen sie ihn überall hin mit: in ihre Wochenendhäuser auf dem Land, wo gesungen und getanzt wurde, an Flohmärkte in Fabrikhallen aus der Sowjetzeit, in unspektakuläre, fröhliche Cafés in den Plattenbau-Quartieren fernab der herausgeputzten Innenstadt.

Den Grundstein für sein Netzwerk zu estnischen Mitstudierenden legte er in den zahlreichen Sportkursen, die er an der Uni Tallinn belegte. In der Sportdidaktik seien die Esten hervorragend, und er habe nicht nur sozial, sondern auch fachlich von diesen Kursen profitiert. Gerne hätte er auch Einblick in weitere Bereiche der Lehrerbildung erhalten. Die Sprachbarriere schränkte seine Wahlfreiheit jedoch ein, und die Uni Tallinn bietet im Bereich Pädagogik nur wenige Vorlesungen in Englisch an. Benjamin Brunner ist sich harte Arbeit und straffes Zeitmanagement gewohnt. Aufgewachsen ist er auf einem Bauernhof nahe Winterthur, wo er gerne mithilft, wenn immer es die Zeit neben Studium, Vikariaten, Freunden und Sport erlaubt. Dennoch war er erstaunt, wie intensiv ein Austausch-Semester ist. «Wer wirklich etwas mitnehmen und sich auf Land und Leute einlassen will, dem bleibt wenig Zeit zum Schlafen», meint er. Empfehlen würde er es allen Studierenden: «Es ist eine einmalige Chance, Neues und sich selber besser kennen zu lernen.»

Christian Wagner ist Redaktor in der Abteilung Kommunikation der PH Zürich.

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