Nahrhafter Schinken für Schreibcoachs

 Mit dem von Stephanie Dreyfürst und Nadja Sennewald herausgegebenen Sammelband «Schreiben» erscheinen viele Standardtexte der Schreiforschung und ‑beratung zum ersten Mal auf Deutsch. Rund die Hälfte der Beiträge sind alte Bekannte. Zu finden sind darin Klassiker zum Schreibprozess wie das Schreibprozessmodell von Flower und Hayes von 1981 ebenso wie einschlägige Beiträge zu Ursachen von Schreibproblemen oder jüngeren Ansätzen und Praxisbeispielen aus der Schreibberatung und dem Peer-Tutoring. Das Buch verpflichtet sich einer prozessorientierten Schreibdidaktik, die gegenwärtig hoch im Kurs ist. Das hat aber nicht nur Vorteile. Denn linguistische und andere Zugänge zum Schreiben sind im Buch kaum vertreten. Wer also die neuste Schreibforschung mit beispielsweise semiotischer, textlinguistischer, systemisch-funktionaler Ausrichtung oder domänenspezifische Schreibforschung sucht, kann auf andere Publikationen zurückgreifen. Bewusst ausgespart haben die Herausgeberinnen Aspekte, die Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache thematisieren, da diese einen eignen Band verdienen würden. Insgesamt liefert der Band einen guten Überblick in die relativ junge Disziplin der Schreib(prozess)forschung. Die kanonischen Grundlagentexte zum Thema Schreiben sind theoretisch wie praktisch ausgerichtet und in verständlicher Sprache verfasst. Dadurch empfiehlt sich das Buch für die Ausbildung von Schreibcoachs, auch wenn Genre-Ansätze fehlen. Wertvoll sind hingegen Best-Practice-Beispiele, die in der Schreibberatung angewendet werden können. Auch für jene, die sich ins Feld der angewandten Schreibwissenschaft einarbeiten wollen, bietet der Herausgeberband einen geeigneten Einstieg.

Dieser Titel in der Bibliothek der PH Zürich

Stephanie Dreyfürst, Nadja Sennewald (Hrsg.). Schreiben: Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung.
Opladen: Verlag Barbara Budrich, 2014. 455 Seiten.

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