«Deutsch in einer Fremdsprache zu unterrichten ist nicht so einfach»

Jonas Schuhmacher hat sein Fremdsprachenpraktikum in La Chaux-de-Fonds in einer Oberstufenklasse absolviert. Obwohl er bereits gut Französisch sprach, hat er seine Kenntnisse während dieser vier Wochen nochmals stark verbessern können – auch dank der Hilfe seiner Schülerinnen und Schüler.

Jonas Schuhmacher sitzt in der Mensa der PH Zürich. Sein Aufenthalt in La Chaux-de-Fonds liegt bereits einige Monate zurück. Trotzdem erinnert sich der Student auf der Sekundarstufe I noch gut an die vier Wochen Welschlandaufenthalt. «Ich bin sehr relaxed, aber doch mit einigem Respekt in die Romandie gereist», sagt er. «Ich hatte die Klasse eine Woche vor Praktikumsstart bereits einmal besucht. So wusste ich, was mich erwartete.» Zudem hatte er mit der Lehrerin im Vorfeld auch schon telefonisch Kontakt. «Ich bekam während des Gesprächs sofort ein gutes Gefühl.» Ebenfalls ihren Teil zum gelungenen Start trugen Schuhmachers gute Französischkenntnisse bei. Er habe die Sprache bereits im Gymnasium gerne gesprochen, sagt er. So sei schnell klar gewesen, dass er sich auch im Studium für Französisch entscheiden würde – anders als die Mehrheit seiner Mitstudierenden, die zu rund zwei Dritteln Englisch wählen.
So machte er sich am Abend vor dem Schulbeginn gut vorbereitet auf den Weg nach La Chaux-de-Fonds. Dort angekommen, bezog er zuerst seine Unterkunft. Die PH Zürich unterstützt die Studierenden bei der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit, da unter den Angeboten jedoch nichts Passendes dabei war, recherchierte Schuhmacher auf eigene Faust. Fündig wurde er auf dem Internet-Portal Airbnb. «Ich konnte mich im Haus eines Ehepaars einmieten, dabei stand mir der ganze untere Stock für mich alleine zur Verfügung. Leider hatte ich jedoch keine eigene Küche, was sich im Verlauf des kommenden Monats als kleiner Nachteil herausstellen sollte.»

Die Kenntnisse der Kinder im Unterricht genutzt
In der Schule lief es vom ersten Tag an gut, und bereits am dritten Tag unterrichtete Schuhmacher die erste eigene Lektion – Mathematik. Dies, obwohl er im Studium das Fach nicht belegt. «Die Lehrerin fragte, ob ich die Stunde übernehmen könne, und ich sagte zu. Es war eine gute Erfahrung.» Wenn ihm ein Begriff nicht einfiel, dann habe er einfach die Schülerinnen und Schüler gefragt. «Das hat super geklappt. Die Klasse war eine grosse Unterstützung und hatte einen wichtigen Anteil daran, dass sich mein Französisch bis am Ende des Monats deutlich verbesserte.» Um die muttersprachlichen Kenntnisse der Kinder optimal nutzen zu können, verteilte er vor jeder Stunde ein Blatt, auf dem die Schülerinnen und Schüler seine Fehler aufschreiben konnten. Anschliessend besprach er diese mit der Klasse. «Sie haben es sehr genossen, in die Rolle des Lehrers zu schlüpfen. Ich profitierte insbesondere im Bereich der Aussprache von ihren Tipps.» Auch hätte er eine Reihe von speziellen Begriffen gelernt, die man ausserhalb des Sprachgebiets eher nicht mitkriege. «Ich weiss jetzt zum Beispiel, was ‹Fresszettel› auf Französisch heisst ‒ ‹Brouillon›.»
Beim Unterrichten genoss Jonas Schuhmacher grosse Freiheiten. «Ich durfte viele verschiedene Formen ausprobieren. Vieles kannten die Schülerinnen und Schüler bereits – so zum Beispiel auch den Unterricht in Gruppen, das war ihnen nicht fremd.» Neben Mathematik unterrichtete er Französisch, Musik, Geschichte und natürlich Deutsch. «Es ist eine Vorgabe der PH Zürich, dass wir auch Deutsch unterrichten.» Die eigene Muttersprache als Fremdsprache zu unterrichten sei gar nicht so einfach. «Ich habe versucht, häufig Deutsch zu sprechen, musste aber vieles auf Französisch erklären.»

Herzlichkeit der Kinder bleibt in Erinnerung
Das Schulniveau schätzt Schuhmacher als etwa gleich hoch ein wie in der Deutschschweiz. Die Schülerinnen und Schüler seien motiviert und interessiert. Die Infrastruktur in den Klassenzimmern sei jedoch teilweise veraltet. Beispielsweise habe ein Beamer oder ein Hellraumprojektor gefehlt. «Dies sollte sich nicht negativ auf die Unterrichtsqualität auswirken», ist der 24-Jährige überzeugt, «ich habe dann einfach mit der Wandtafel unterrichtet.»
Der Schultag dauerte für den Studenten in der Regel bis 17 Uhr. Anschliessend ging er oft joggen oder machte kleine Unternehmungen in der Stadt. «Es war nicht ganz einfach, Kontakte zu knüpfen. Die Lehrpersonen in der Schule waren eher zurückhaltend, und so zog ich hin und wieder alleine los am Abend. Die Möglichkeit für einen Austausch beispielsweise mit anderen Studierenden hat gefehlt in La Chaux-de-Fonds.»
Der Abschied von der Schule fiel nicht ganz leicht. «Die Klasse war sehr herzig. Die Schülerinnen und Schüler haben mir verschiedene Gutscheine und selber gemachte Karten geschenkt.» Schuhmacher behält insbesondere die Herzlichkeit der Kinder und der Lehrerin in guter Erinnerung. Und auch die Region sei ihm ans Herz gewachsen. Es hat ihm sogar so gut gefallen, dass er inzwischen schon mehrmals ins Welschland gereist ist und dabei auch einmal seine Klasse besucht hat.

Stage professionnel/Assistant Teachership
Alle Studierenden der Primarstufe und Studierende der Sekundarstufe I mit einer Fremdsprache im Fächerprofil absolvieren im Rahmen ihres Studiums ein Fremdsprachenpraktikum im englischen bzw. französischen Sprachraum (Assistant Teachership bzw. Stageprofessionnel). Das Praktikum dauert drei (Primarstufe) bzw. vier (Sekundarstufe) Wochen und hat u. a. zum Ziel, die Sprachkompetenz der Studierenden zu verbessern. Im Rahmen der Serie «Mein Fremdsprachenpraktikum» stellen wir an dieser Stelle vier Studierende vor, die ihr Fremdsprachenpraktikum kürzlich absolviert haben.

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