Gleiche Chancen durch inklusiven Sportunterricht?

Studierende der PH Zürich beschäftigten sich in ihren Bachelor- und Masterarbeiten immer wieder mit dem Thema Heterogenität. Die untersuchten Aspekte und Fragestellungen sind äusserst vielfältig. Im Folgenden stellen wir sechs Arbeiten und einige ausgewählte Resultate vor.

Gestaltungsprozesse von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund
Thema: Im Zentrum steht die Frage, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sich bei Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund bei der Gestaltung von Aktivitäten in Schule und Freizeit feststellen lassen. Dazu wurden Experteninterviews und Beobachtungen in zwei Oberstufenklassen durchgeführt.
Resultate: Jugendliche mit Migrationshintergrund versuchen im Gegensatz zu Jugendlichen ohne Migrationshintergrund schneller etwas aus und sind experimentierfreudiger. Zudem zeigte sich, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund mehr Absicherung von der Lehrperson brauchen und somit weniger selbständig gestalten. Jugendliche ohne Migrationshintergrund sind hingegen viel kritischer mit sich selber und ihrem Produkt.
Autorinnen: Masterarbeit von Johanna Kundert und Mirjam Schöni

Einstufungen zugewanderter fremdsprachiger Jugendlicher in die Sekundarstufe A
Thema: Die Arbeit setzt sich mit Theorien zur Entstehung von Bildungsnachteilen auseinander und mit den Ergebnisse aus vier Interviews, welche mit Personen durchgeführt wurden, die im Sekundarschulalter eingewanderte fremdsprachige Jugendliche in die Sekundarstufe I einstufen.
Resultate: Die Zuständigkeiten für die Einstufung von Schülerinnen und Schülern, die mitten im Sekundarschulalter einwandern, werden in den einzelnen Schulen systematisch verteilt. Das heisst, in den Schulen stufen immer dieselben Akteure die Jugendliche ein. Gemeinsam ist den einstufenden Personen, dass sie eine optimale Förderung und erfolgreiche Integration der Jugendlichen anstreben. Unterschiede zeigen sich in den Ansichten in Bezug auf die Bedürfnisse der Jugendlichen und die Massnahmen zu deren Förderung und Integration.
Autorin: Masterarbeit von Isabelle Rifici

Inklusion im Sportunterricht
Thema: Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt auf der Partizipation und der Leistung zweier Schüler mit Behinderungen im Sportunterricht und der Frage, ob diese durch einen inklusiven Sportunterricht gesteigert werden kann.
Resultate: Die Anpassungen ermöglichten beiden Schülern, am Unterricht teilzunehmen. Er bewirkte einen besseren Umgang der Lernenden untereinander, weil die Unterschiede der Einzelnen nicht allzu stark zum Tragen kamen. Dadurch bestand eine grössere Chancengleichheit. Auch in sozialer Hinsicht war der inklusive Sportunterricht ein Erfolg: Die Schülerinnen und Schüler zeigten mit der Zeit verstärkt Verständnis für die Probleme der anderen und versuchten, konstruktive Lösungen zu erzielen.
Autoren: Masterarbeit von Andreas Bärtsch und Michael Boll

Zusammenarbeit von Eltern und Lehrpersonen in multikulturellen Schulen
Thema: Im Zentrum stehen unter anderem die Bedeutung der Zusammenarbeit und Mitwirkung aus der Sicht von Eltern mit Migrationshintergrund sowie deren aktive Beteiligung und Möglichkeiten zur Mitbestimmung am schulischen Geschehen. Dazu wurden die entsprechende Theorie analysiert sowie Interviews und eine Umfrage durchgeführt.
Resultate: Bezüglich der Fragestellung, was von multikulturellen Schulen unternommen wird, um Eltern mit Migrationshintergrund gleichermassen in den Schulalltag ihrer Kinder zu integrieren wie Eltern ohne Migrationshintergrund, kommt die Autorin zum Schluss: Wichtigste Voraussetzung ist, dass die Eltern über die (Leistungs-) Erwartungen der Schule sowie über ihre eigenen  Rechte, aber auch über ihre Pflichten in Bezug auf ihr Kind informiert sind. Ausserdem ist zentral, dass sich die Eltern regelmässig mit den Lehrpersonen austauschen. Ferner ist zu beachten, dass die Schulen die Eltern unterstützen, indem sie diese aktiv beraten und ihnen mehr Informationen zur Verfügung stellen, damit keine Chancenungleichheiten aufgrund von mangelnder Schulbildung der Eltern entstehen.
Autorin: Bachelorarbeit von Selina Disci

Welche Faktoren beeinflussen den Schul- und Berufs(miss)erfolg von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund?
Thema: Die Arbeit untersucht anhand von theoretischen Grundlagen, welche Faktoren den Schulerfolg von sozioökonomisch benachteiligten Kindern und Jugendlichen positiv beeinflussen.
Resultate: Trotz vieler Barrieren gibt es Jugendliche mit Migrationshintergrund, die aufgrund vorhandener Ressourcen Diskriminierungsmechanismen entgegenwirken können. Folgende Merkmale vereinfachen den Bildungserfolg: Das Interesse der Familie und eine hohe Bildungsaspiration. Weiter sind ausserfamiliäre Ressourcen wie Peers und andere soziale Netzwerke essentiell.
Autorinnen: Bachelorarbeit von Léa Christen und Christina Fehr

Schreibförderung von fremdsprachigen Kindern
Thema: Die Arbeit befasst sich unter anderem mit der Förderung der Schreibkompetenz von fremdsprachigen Kindern. Dabei werden Bezüge aus der Theorie zum Thema festgehalten und Förderplanungen für zwei tamilische Jungen untersucht, die aufgrund der Analyse ihrer Texte entstanden sind.
Resultate: Die Fragestellung, wie die Schreibkompetenz von fremdsprachigen Kindern optimal gefördert werden kann, wird wie folgt beantwortet: Wichtig ist unter anderem, dass von der Lehrperson zwei bis drei Themenbereiche ausgewählt werden, an welchen die Schülerin oder der Schüler über eine längere Zeit arbeiten soll. Dadurch wird dem Kind klar, wo seine Fehler liegen, und es kann sich vertieft mit diesen auseinandersetzen.
Autorin: Bachelorarbeit von Liliane Schell.

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