«Die Qualität ist uns ein grosses Anliegen»

Interessierte an einem Quereinstieg in den Lehrberuf durchlaufen an der PH Zürich ein anspruchsvolles Auswahlverfahren. Fabian Camenzind, Leiter des Ressorts Aufnahmeverfahren, äussert sich im Interview darüber, wie dabei die Berufseignung überprüft wird.

Fabian Camenzind, Leiter Aufnahmeverfahren an der PH Zürich Foto: Reto Klink

Akzente: Fabian Camenzind, was sind an der
PH Zürich die Bedingungen für eine Zulassung zum Auswahlverfahren für den Quereinstieg?
Fabian Camenzind: Voraussetzung sind ein abgeschlossenes Hochschulstudium auf Bachelorniveau oder eine gleichwertige Ausbildung sowie drei Jahre Berufserfahrung.

Welche Elemente bilden das Auswahlverfahren?
Das Assessment besteht aus einer mündlichen Präsentation, einem Interview, einer Fallbearbeitung sowie situativen Herausforderungen und dauert einen halben Tag. Vorgängig müssen die Interessierten eine Selbsteinschätzung vornehmen sowie einen zweitägigen Schulbesuch machen.

Die PH Zürich betreibt mit diesem Verfahren einen sehr grossen Aufwand. Weshalb?
Zum einen haben wir vom Regierungsrat den Auftrag erhalten, Interessierte an einem Quereinstieg in einem mehrstufigen Aufnahmeverfahren zu überprüfen. Zudem ist es uns als Hochschule ein grosses Anliegen, ein qualitativ hochstehendes, wissenschaftlich anerkanntes Assessment durchzuführen. Massgebend sind dabei die durch den Verein «Swiss Assessment» definierten Standards. Diese Kriterien halten wir ein und wir planen, unser Verfahren durch «Swiss Assessment» sowie durch die Schweizerische Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme (SGS) zertifizieren zu lassen.

Wie wurde das Auswahlverfahren entwickelt?
Die PH Zürich hat eine breite langjährige Erfahrung in der Durchführung von Auswahlverfahren. Erstmals wurden solche Assessments bei der Gründung unserer Hochschule vor zwölf Jahren entwickelt für Personen ohne gymnasiale Matur, welche die Ausbildung zur Lehrperson machen wollten. Dieses Verfahren haben wir stetig weiterentwickelt und angepasst. Dies immer als Zusammenarbeit zwischen den Prorektoraten Ausbildung und Weiterbildung & Forschung.

Worin bestanden diese Weiterentwicklungen?
Wir haben für die Quereinsteigenden ein spezifisches Anforderungsprofil entwickelt. Im Zentrum stand die Frage, über welche Kompetenzen die Studierenden beim Antritt des Studiums bereits verfügen sollten. Dazu wurden unter anderem Anspruchsgruppen aus dem Schulfeld und der PH Zürich miteinbezogen.

Welches sind wichtige Kompetenzen, über welche die Studierenden verfügen müssen?
Wir überprüfen ausschliesslich überfachliche Kompetenzen. Den Nachweis dafür, dass die Quereinsteigenden auch über ausreichend fachliche Qualitäten verfügen, erbringen sie mit den bereits erbrachten Studienleistungen. Wichtige überfachliche Kompetenzen für die Quereinsteigenden sind beispielsweise Analyse- und Strukturierungsfähigkeit. Auch die Reflexions- und die Interaktionsfähigkeit sind wichtig. Deren Bedeutung wurde speziell auch vom Schulfeld hervorgehoben. Weitere Elemente, die wir überprüfen, sind die Berufsmotivation sowie das Engagement.

Wie werden Kompetenzen wie «Reflexionsfähigkeit» überprüft? Während der Entwicklung des Aufnahmeverfahrens operationalisierten wir die Kompetenzen. Das heisst, den Kompetenzen wurden beobachtbare Verhaltensweisen zugewiesen. Bei der Kompetenz «Reflexionsfähigkeit» beurteilen wir beispielsweise, ob und wie die Person in ihren Antworten auf unsere Fragen auf bereits länger zurückliegende persönliche Erfahrungen Bezug nimmt. Wir verwenden dabei standardisierte Fragen. Dies bedeutet, es werden allen Kandidatinnen und Kandidaten die gleichen Fragen gestellt und keine individuellen Gespräche geführt. Dies gewährleistet die Gleichbehandlung aller Personen.

Wer führt die Assessments durch?
Die Teams setzen sich zusammen aus einer Person aus dem Schulfeld und aus zwei Personen aus der PH Zürich – eine mit Erfahrungen in der Ausbildung und jemand mit spezifischen Assessment-Kenntnissen.

Die Möglichkeit für einen Quereinstieg besteht seit vier Jahren. Wurde das Verfahren seit der ersten Durchführung angepasst?
Ja. Wir mussten das Verfahren vor vier Jahren unter grossem zeitlichem Druck entwickeln. Vor anderthalb Jahren haben wir die gesamten Inhalte überarbeitet und beispielsweise die überprüften Kompetenzen klarer formuliert und voneinander abgegrenzt.

Wie gewährleisten Sie, dass das Verfahren tatsächlich geeignete Personen hervorbringt?
Die Evaluation des Verfahrens ist uns ein wichtiges Anliegen. Wir werden dazu Lehrpersonen, bei denen die Quereinsteigenden ihre Praktika absolvieren sowie Betreuende der PH Zürich danach befragen, wie sie die Kompetenzen der Studierenden beurteilen. Fallen diese Einschätzungen positiv aus, können wir davon ausgehen, dass wir mit unserem Verfahren die geeigneten Per-
sonen auswählen. Das Forschungsprojekt ReQuest der PH Zürich beschäftigt sich mit ähnlichen Fragen.

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Auf Seite der Forschung massgeblich am Aufnahmeverfahren beteiligt sind Christine Bieri-Buschor und Patricia Schuler, Forschungsgruppenleiterinnen an der PH Zürich.

Weitere Informationen:
Forschungsprojekt REQUEST: tiny.phzh.ch/request
Swissassessment: swissassessment.ch
Schweizerische Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme: sqs.ch

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