Kompetenzen zeigen beim Jäten im Schulgarten

Wie sieht kompetenzorientierter Unterricht eigentlich aus? Eine Heilpädagogin und eine Lehrerin zeigen anhand eines von ihnen entwickelten Beispiels, wie Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern sichtbar werden. 

Kompetenzorientierter Unterricht

Foto: zVg

Im Stadtzürcher Schulhaus Seefeld steht während einiger Zeit der Schulgarten als Lernort für das Fach «Natur Mensch Gesellschaft» (NMG) im Zentrum. Die Kinder erwerben Kompetenzen im Umgang mit Pflanzen und Tieren. Der Lehrplan 21 formuliert dazu im 1. Zyklus die Kompetenzstufe: «Die Schülerinnen und Schüler können Tieren und Pflanzen in selbst erkundeten Lebensräumen im Jahresverlauf begegnen, Interesse und Neugierde entwickeln und Fragen stellen.» Pflanzen zu kennen und zu benennen ist das Eine, aber wie zeigt sich, ob die Kinder ihr erworbenes Wissen anwenden können? Beispielsweise beim Jäten. Dabei wird ersichtlich, ob die Kinder wissen, welche Pflanzen im Garten stehen, welche nützlich und welche schädlich sind. Es ist ein exemplarisches Beispiel, wie die Kinder an die Grundkompetenzen des 1. Zyklus herangeführt werden können. Darauf aufbauend könnten die Kinder lernen, den Garten zu pflegen – die Anwendung einer Kompetenzstufe, die am Ende des 2. Zyklus eingefordert wird.

Unterschiedliche Zugänge zum Thema
Der erste Schritt in einem kompetenzorientierten Unterricht, so Lehrerin Ruth Beck, ist das Vorwissen der Kinder zu aktivieren. Aus den Wünschen, was die Kinder im Schulgarten anpflanzen möchten, rückt eine Frage ins Zentrum: Gibt es einen Schoggibaum? Ein Mädchen erzählt, dass sie in den Ferien in den USA auf einer Kakaoplantage war. Dort habe sie einen Samen in die Erde gesteckt. Ein Junge widerspricht: Es könne gar keinen Schoggibaum geben, weil Schoggi ja keinen Stiel habe. Solche Antworten zeigen das unterschiedliche Vorwissen der Kinder auf und die Lehrpersonen erfahren, wo sie einen Gedanken aufgreifen und daran den weiteren Kompetenzerwerb anknüpfen können. Anschliessend arbeiten die Kinder an verschiedenen Aufgaben: Eine Gruppe von Kindern, die schon viel über Gärten weiss, soll mehr über den Schoggibaum herausfinden. Eine zweite beschäftigt sich mit Pflanzensamen und lernt, wie Pflanzen entstehen und wachsen. Die Kinder mit dem kleinsten Vorwissen dürfen den Schulgarten frei erkunden. Mit solchen Aufträgen gewähren die Lehrpersonen den Kindern unterschiedliche Zugänge zum Thema.

Was ist aber mit Kindern, die überfordert sind? Die Gartenerkundung ist nämlich nicht für alle Kinder ein Erfolg: Ein Kind kommt enttäuscht von der Erkundungstour zurück. Im Gespräch mit der Lehrperson stellt sich heraus, dass das Kind nicht wusste, was es erkunden sollte. Gemeinsam entwickeln sie eine Idee. Bald ist es motiviert, mit der Schaufel in der Erde zu graben und die verschiedenen Pflanzen anzusehen. Solche Phasen der Reflexion sind zentral in einem kompetenzorientierten Unterricht. Die Lehrperson leitet die Kinder an, darüber nachzudenken, was sie bereits herausgefunden haben, wie sie dabei vorgegangen sind und was sie noch anders machen könnten. «Reflexion hat für das Lernen einen riesigen Effekt», ist Heilpädagogin Monika Fitze überzeugt.

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Austauschtreffen der PH Zürich mit Verbänden

Dieser Artikel entstand im Rahmen eines jährlich stattfindenden Austauschs zwischen Vertretungen von Verbänden (ZLV, Sek. ZH, KEO, VSLZH, VPOD), Hochschulen (PHZH, HfH) und der Bildungsverwaltung. In diesem Jahr stand das Thema «Kompetenzorientierung im Unterricht» im Fokus.

Weitere Informationen: phzh.ch/kompetenzen
Kay Janina Hefti ist Kommunikationsverantwortliche im Projekt KoLeP21 der PH Zürich.

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