«Ein Zusammenspiel von Wissenschaft und Praxis»

 

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Barbara Fäh, Prorektorin Ausbildung an der PH Zürich

Akzente: Frau Fäh, Sie sind seit September Prorektorin Ausbildung an der PH Zürich. Sprechen wir zuerst kurz über Ihre ehemalige Arbeit an der FHNW. Was waren die Meilensteine der vergangenen Jahre?

Fäh: Zu Beginn arbeitete ich an der FH Aargau. Die FHNW gab es noch nicht. Ich leitete zuerst die Abteilung Weiterbildung und habe danach das Institut Soziale Arbeit und Gesundheit aufgebaut. Nach meiner Dissertation hatte ich ab 2008 die Aufgabe, ein einheitliches Bachelor-Studium an zwei Standorten zu implementieren, welches fünf Bachelor-Studiengänge zusammenführte. Dabei musste für die rund 1300 Studierenden der Betrieb weiterlaufen. Dies wurde 2013 erfolgreich abgeschlossen.

Akzente: Nun haben Sie von der Sozialen Arbeit in die Pädagogik gewechselt. Mit welchem Bild der Lehrerbildung traten Sie Ihre neue Stelle an?
Fäh: In meinem Studium habe ich im Rahmen von Forschungsprojekten intensiv mit Lehrpersonen zusammengearbeitet. Dabei traf ich auf ausgesprochen engagierte Personen aber auch auf ein Umfeld, das wie die Soziale Arbeit mit grossen gesellschaftlichen Herausforderungen umgehen muss. Die Lehrerbildung steht aber in besonderem Masse im Fokus der Öffentlichkeit und insbesondere der Politik. Dies ist für mich eine neue Herausforderung, auf die ich mich sehr freue.

Akzente: Sie haben in Zürich Pädagogik studiert und die Themen Gesundheit und Lehrerbildung in Ihrer Doktorarbeit zusammengeführt. Mit welchen Erkenntnissen?
Fäh: Ich ging der Frage nach, ob die Stärkung der psychischen Gesundheit der Erziehungsberechtigten und Lehrpersonen Kinder im Grundschulalter beeinflusst. Dabei wurde nachgewiesen, dass eine Abnahme der psychischen Belastung bei den Erziehungsberechtigten und bei den Lehrpersonen in einem direkten Zusammenhang mit dem Wohlbefinden der Kinder steht. Die Lehrpersonen profitierten in hohem Masse vom Programm, in dem ihre persönlichen Stärken gefördert wurden. Dies wirkte sich auf das Wohlbefinden der Kinder aus. Mir scheint es wichtig, bereits in der Lehrerbildung diesen Aspekten hohe Aufmerksamkeit zu schenken.

Akzente: Sie haben mit dem Prorektorat Ausbildung einen Bereich übernommen, der sich vor allem an den Bedürfnissen der Praxis orientieren muss. Was nehmen Sie aus Ihrer Forschungstätigkeit mit?
Fäh: Das Zusammenspiel von Wissenschaft und Praxis. Dies ist schon in der Ausbildung zentral. Die Lehrerbildung beinhaltet wissenschaftliche Grundlagen ebenso wie hohe Praxisorientierung. Fragen müssen aus der Praxis in die Wissenschaft fliessen und die Resultate der Wissenschaft zurück in die Praxis. Es ist spannend, wie die verschiedenen Wissensarten miteinander in Beziehung gesetzt werden. In diese Richtung laufen ja an der PH Zürich auch aktuelle Entwicklungen der engen Verbindung zwischen Lehre, Forschung und Praxis. Dies weiter zu konkretisieren und zu implementieren ist eine Aufgabe der ganzen Hochschule aber insbesondere des Prorektorats Ausbildung.

Akzente: Die PH Zürich bildet Lehrpersonen vom Kindergarten bis zur Sek 2 aus. Sie werden folglich auf sehr unterschiedliche Zielgruppen treffen.
Fäh: Genau. Es gibt sicher viele Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten. Diese zu verstehen scheint mir essentiell. Die Frage stellt sich sicher, wo wir gemeinsam hinwollen. Welche Vision teilt das Prorektorat? Welchen Weg will es beschreiten? Dies wird uns sicher beschäftigen.

Akzente: Haben Sie bereits erste Ideen?
Fäh: Mir scheint, dass die PH Zürich sehr innovativ und sehr dynamisch unterwegs ist. Daher gilt es, Bewährtes zu bewahren aber auch Neues zu entwickeln. Diese Balance ist die Herausforderung. Dabei möchte ich zuerst mit den Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen. Mich interessiert, was gut läuft und wo es harzt. Wo gibt es Herausforderungen, wo Handlungsbedarf? Daraus ergibt sich ein Gesamtbild, aus welchem sich eine Vision ableiten lässt. Die PH Zürich ist eine Expertenorganisation. Deshalb müssen diese Schritte gemeinsam angegangen werden. Meine Aufgabe wird es sein, die nötigen Prozesse zu begleiten und den Weg so auszugestalten, dass sich die Expertinnen und Experten für das gemeinsame Ziel einsetzen können.

Akzente: Zum Schluss eine private Frage: Angenommen, sie kommen unerwartet zu einigen Freitagen. Wo trifft man Sie an?
Fäh: Ich bin eine leidenschaftliche Wanderin, Sie treffen mich also irgendwo in der Natur an mit meinem Hund. Oder auf einem Ausflug mit meinen erwachsenen Töchtern.

Prof. Dr. Barbara Fäh ist promovierte Erziehungswissenschaftlerin der Universität Zürich. Sie war von 1987-1993 als Berufsschullehrerin und stellvertretende Direktorin der Hebammenschule Zürich tätig. Danach arbeitete sie als Leiterin des Projekts Nationale Gesundheitspolitik im Bundesamt für Gesundheit. Seit 2001 bekleidete Barbara Fäh an der Hochschule für Soziale Arbeit der FHNW verschiedene Leitungsfunktionen und war Mitglied der Hochschulleitung.

Das Interview mit Barbara Fäh ist auch in der internen Mitarbeitendenzeitschrift ph inside der PH Zürich erschienen.

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