Die Krux mit den englischen Fachbegriffen

Barbara Kohlstock – Seitenblick

Barbara Kohlstock – Seitenblick

Erkläre ich in meinem privaten Umfeld, dass ich den Bereich «Management und Leadership» an der PH Zürich leite, braucht es zu dieser Aussage immer weiterführende Hinweise.

Sowohl «Management» als auch «Leadership» werden unterschiedlich verstanden, und die Kombination im Kontext der PH Zürich ruft bisweilen verschiedene Assoziationen hervor – durchaus amüsant zwar, aber leider nur bedingt im Sinn der Sache. In solchen Fällen ergänze ich, dass ich in dieser Funktion für die Aus- und Weiter-bildung von Schulleitenden verantwortlich zeichne. Anhand konkreter Beispiele wird jeweils schnell klar, was sich hinter diesen Fachbegriffen verbirgt.

Mittlerweile findet sich der Begriff «Management» auch im Duden, allerdings mit einem Verweis auf den englisch-amerikanischen Ursprung. Umschrieben wird das Wort mit der «Leitung eines Unternehmens». «Leadership» wurde bis vor wenigen Jahren mit dem Hinweis zum «Lead» (engl. die Führungsstimme im Jazz) sowie zum «Leader» (kurz für Bandleader; österr. u. schweiz. Sportspr. Tabellenführer) erläutert. In jüngeren Ausgaben wird «Leadership» mit «Gesamtheit der Führungsqualitäten» erklärt. Eine Recherche im Internet verdeutlicht die Schwierigkeiten mit diesen Fachbezeichnungen. Googelt man «Management», werden 810 000 000 Resultate geliefert, bei «Leadership» sind es 145 000 000 Treffer. Warum verwenden wir diese englischen Fachbegriffe, obwohl sie nur bedingt selbstredend und offenbar auch nicht trennscharf, geschweige denn abschliessend definiert sind?
Sucht man nach deutschen Fachbegriffen, stellt man unweigerlich fest, dass diese alle zu eng gefasst sind, als dass sie das Schulleitungshandeln und die damit verbundenen Weiterbildungen abschliessend umfassen könnten: Steuerung, Organisation, Koordination, aber auch Führung oder Entwicklung – das alles sind deutschsprachige Begriffe, die zwar (mehr oder weniger) präzise sind, aber leider nur Teilaspekte des Schulleitungshandelns abdecken. Als Bezeichnung eines ganzen Bereichs würden sie uns nicht den nötigen Spielraum bieten, um alle Tätigkeiten und Angebote entsprechend zu fassen: So unpräzise «Management und Leadership» zu sein scheint, so hilfreich ist der Spielraum, der mit dieser Unschärfe einhergeht.

Allerdings stellen sich diese Probleme in anderen Kontexten in ganz neuen Dimensionen: Kürzlich hat Cathryn Magno, eine Freundin aus Amerika, von ihren Studien zu «Management und Leadership» im internationalen Kontext berichtet, unter anderem auch aus Aserbaidschan. Während wir englische Begriffe hierzulande mit einer gewissen Lockerheit in unseren Sprachgebrauch integrieren, gibt es dort die Möglichkeit des Rückgriffs auf englische Begriffe wie «Leadership» nicht. Was tun? Die Fachleute haben kurzerhand ein neues Wort dafür kreiert: «Liderlik». In meinen Ohren klingt dies jedoch wie «liederlich», was ich zuletzt mit «Leadership» verbinden würde. Welche Assoziationen in Aserbaidschan mit diesem Begriff ausgelöst werden, kann ich nicht beurteilen, auch nicht, ob es nicht geeignetere Worte gegeben hätte. Doch etwas wird anhand des geschilderten Vorgehens deutlich: Die Wortschöpfung beweist Kreativität – eine wichtige Komponente von Leadership, die anhand dieses Beispiels eindrücklich illustriert wird.

Barbara Kohlstock ist Leiterin des Bereichs «Management und
Leadership» in der Abteilung Weiterbildung an der PH Zürich.

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