Eine Frage, drei Antworten: Wie gehen Sie mit Belastung um?

Elsbeth Thürig-Hofstetter

Elsbeth Thürig-Hofstetter, 38, Musik-Dozentin an der PH Zürich.

Dazu  kommt mir ein Vergleich mit meiner liebsten Freizeitbeschäftigung in den Sinn: dem Wandern und Bergsteigen. In diesen Momenten kann ich abschalten, mich von belastenden Situationen distanzieren und erholen. Eine Tour gelingt nur dann, wenn ich meine zeitlichen Möglichkeiten und Ressourcen entsprechend wähle: kleine Wanderungen am Feierabend oder am Wochenende; hin und wieder dürfen es auch mehrtägige Trekking-Touren sein, die mich in eisige und luftige Höhen auf einen Vier- oder Fünftausender führen. Ähnlich versuche ich mit beruflichen Belastungen umzugehen, ich bemühe mich, meinen beruflichen Alltag realistisch einzuschätzen und dementsprechend zu gestalten. Für den Berg organisiere ich meine Route umsichtig, in den Rucksack gehört nur das Wesentliche. Dann fokussiere ich mich beim Aufstieg auf Atem und Geh-Tempo. Im Alltag dasselbe! Die verschiedenen Aufgaben – lehren, coachen, anleiten, gestalten und kreieren – erfordern von mir ein klares Fokussieren, eine Konzentration auf das, was momentan zentral ist, und das in einem angemessenen Tempo. Auf dem Gipfel angekommen, geniesse ich den Weitblick, bin stolz und erfreue mich an meiner Leistung. Im Alltag dasselbe! Wenn die Arbeit mit den Studierenden bei einem Unterrichtsbesuch Früchte trägt, wenn eine Modulgruppe in meiner Veranstaltung in die Musik geradezu eintaucht oder ein Chorrrangement nach langer und vielleicht auch mühseliger Auseinandersetzung vollendet ist, fühlt sich das an wie ein Gipfelerlebnis! Manchmal ist es eine «Gratwanderung», eine ambitionierte und herausfordernde Tour mit passendem Gepäck und idealer Route richtig einzuschätzen und regelmässig zu meistern. Im Alltag dasselbe!

Micha Demsar

Micha Demsar, 28, Primarlehrer, Schule Scherr in Zürich.

Glücklicherweise   verspüre   ich   als Lehrer einer 4. Klasse selten irgendeine Art von Belastung. Ich arbeite 100 Prozent und daneben bin ich fast jeden Abend und am Wochenende als Personal-Fitness-Trainer indoor und outdoor tätig. Das gibt mir einen sehr angenehmen Ausgleich. Um während der Unterrichtswochen zeitlich belastende Stresssituationen zu vermeiden, plane ich die jeweils bevorstehenden Themen, Projekte sowie alles andere so genau wie möglich und bereite so viel wie möglich vor. Die Feinplanungen mache ich jeweils ein bis zwei Wochen im Voraus, damit ich zeitliche Engpässe unter der Woche vermeiden kann. Dieser Rhythmus, den ich seit Abschluss meines Studiums an der PH Zürich vor viereinhalb Jahren verbessert und effizienter gestaltet habe, bewährt sich für mich im Schulalltag in hohem Masse. Die gute Verteilung unserer dreizehn unterrichtsfreien Wochen kommt mir dabei natürlich auch sehr entgegen.

Urs Kamm

Urs Kamm, 41, Quereinstiegstudent Primarstufe.

Belastung pur: 85 Prozent Pensum als Klassenlehrer, Ausbildung an der PH Zürich, Übertrittsverfahren, Elterngespräche, Fachcoaching- und Mentorbesuche, Lerngruppentreffen, Leistungsnachweise, Projektwoche, Sporttag, Klassenlager, Schultheater und Diplomprüfungen bestimmten im letzten Studienjahr meinen Tagesablauf. Das Privatleben mit Familie und Partnerschaft darf auch nicht vergessen gehen. Wie ich solche Einflüsse von aussen überhaupt bewältigen kann? Dafür habe ich kein Rezept. Mir hilft aber eine effiziente Taktik: Ruhe bewahren – Prioritäten setzen – immer nur eine Arbeit auf einmal erledigen und zwar so, dass ich sie nicht noch einmal in die Hand nehmen muss – schnelle Entscheidungen treffen – pragmatisch vorgehen. Das Wichtigste ist aber die Freude am Beruf. Wer nämlich das, was er tut, gerne macht, empfindet das Ganze nicht mehr so sehr als Belastung.

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