Eine DaZ-Lehrerin im Praktikum als Gärtnerin

Ursprünglich wollte Susanne Burnand ihr Praktikum im Rahmen ihrer Intensivweiterbildung (IWB) an der PH Zürich in einer SAC-Hütte machen. Da sich die Jahreszeit dazu nicht eignete, wich die DaZ-Lehrerin auf eine Gärtnerei aus. «Im Rückblick war dies ein Glücksfall», sagt sie.

Es herrscht eine gemächliche, aber dennoch emsige Arbeitsatmosphäre in der Gärtnerei der Stiftung Brunegg. Susanne Burnand ist mit dem Umtopfen von Hauswurzen beschäftigt. «Wichtig ist, dass die Pflänzchen genug tief eingegraben sind. Das habe ich bereits gelernt», sagt sie und lacht. Sie ist jetzt seit drei Wochen hier, weitere vier stehen ihr noch bevor. Am Ende des Praktikums wird sie in allen Abteilungen gewesen sein. In der ersten Woche hat sie die Floristik-Abteilung kennengelernt, jetzt ist sie in der Staudengärtnerei mit den mehrjährigen Pflanzen, kommende Woche geht’s dann weiter zu den Zierpflanzen. Unterstützung erhält die DaZ-Lehrerin an diesem Morgen von ihrem Kollegen Andreas. Dieser freut sich, dass er «mit einer Lady» zusammenarbeiten kann, wie er selber sagt.
Susanne Burnand schätzt den Kontakt zu den Mitarbeitenden der Stiftung Brunegg. Diese bietet rund 38 Wohn- und 70 Arbeitsplätze für Erwachsene mit intellektuellen und körperlichen Beeinträchtigungen. «Ich wurde sehr gut aufgenommen. Die Kolleginnen und Kollegen sind hilfsbereit und man geht äusserst respektvoll miteinander um.» Die Beziehungsarbeit habe eine wichtige Bedeutung. In der Schule komme diese teilweise etwas zu kurz. «Dort steht meistens die Leistung im Vordergrund. Der Perspektivenwechsel im Praktikum ermöglicht mir, verstärkt auf solche Dinge zu achten.»
Zwischen der DaZ-Lehrerin und ihrem Kollegen hat sich inzwischen ein munteres Gespräch entwickelt. Auch der Fotograf der PH Zürich wird miteinbezogen. Andreas verfügt über ein grosses fotografisches Wissen, welches er gerne mit anderen teilt. Derweil topft Susanne Burnand in aller Ruhe einen Wurz nach dem anderen um. «Ausnahmsweise einmal ohne Zeitdruck zu arbeiten tut gut», sagt sie. Auch die geregelten Arbeitszeiten von 8 Uhr bis 17.30 Uhr wertet sie als eine willkommene Abwechslung zu ihrem häufig turbulenten und zeitlich unregelmässigen Alltag im Schulhaus Eichberg in Hombrechtikon. Die Arbeit in der Gärtnerei sei jedoch keineswegs leicht. «Die körperliche Belastung ist teilweise gross. Am Abend weiss ich immer sehr genau, was ich gemacht habe.»

Ohne Murren Efeu schneiden
Später steht das Schneiden der Rosenstöcke auf dem Programm. Bereits am Vortag hat Susanne Burnand viel Zeit damit verbracht. Die Arbeit im Freien und mit Pflanzen liegt ihr am Herzen. Es macht ihr nichts aus, wenn die Tätigkeiten teilweise etwas eintönig ausfallen, und sie zeigt sich beeindruckt, dass die Mitarbeitenden der Gärtnerei manchmal ganze Tage ohne Murren beispielsweise Efeu schneiden. «Das wäre in der Schule nicht möglich. Die Kinder sind es gewohnt, dauernd mit sich abwechselnden Arbeiten beschäftigt zu werden.»
Die Teilnehmenden der Intensivweiterbildung an der PH Zürich sind für die Organisation ihres Praktikums selber verantwortlich. Als passionierte Berggängerin hätte Susanne Burnand dieses am liebsten in einer SAC-Hütte absolviert. Jetzt, im Frühling, sei dies aber nicht möglich. Also fragte sie bei der Stiftung Brunegg an, welche sie seit längerem kennt und schätzt. Hier sei man vom ersten Moment an sehr offen gewesen gegenüber ihrer Anfrage. «Der Leiter der Gärtnerei zeigte mir den Betrieb und mir war sofort klar, dass es mir hier gut gefallen wird», sagt sie und fügt lachend an: «Ich trauere der SAC-Hütte überhaupt nicht nach.» Dass sie das Praktikum hier machen kann, sei ein regelrechter Glücksfall.
Während ihrer Abwesenheit wird die DaZ-Lehrerin von einem Vikar vertreten. Dieser hat sie einmal in der Gärtnerei besucht und ihr gesagt, dass alles rund laufe mit ihren Schülerinnen und Schülern. Sonst denkt Susanne Burnand jedoch nicht oft an die Schule. «Mir gelingt es gut, Abstand von der Arbeit zu nehmen.»
Vor dem Engagement der Stiftung Brunegg hat Susanne Burnand grossen Respekt. Sie habe in ihrem Beruf als DaZ-Lehrerin teilweise auch mit lernschwachen Schülerinnen und Schülern zu tun. «Deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen, dass auch diese Jugendlichen eine Ausbildung abschliessen und einen Beruf ausüben können.»

Verstärkt auf Umgangsformen achten
Um 10 Uhr macht die ganze Belegschaft gemeinsam Pause. Susanne Burnand kennt die meisten Mitarbeitenden mit Namen. Sofort wird sie in die Tischgespräche miteinbezogen. «Diese Spontaneität und dass alle so respektvoll miteinander umgehen, ist bewundernswert», sagt sie. In Zukunft werde sie in ihrem Unterricht wieder vermehrt auf die Umgangsformen achten. «Von der Höflichkeit dieser Menschen hier können sich viele von uns eine Scheibe abschneiden.»

Intensivweiterbildung (IWB) für Lehrpersonen

Lehrpersonen der Volksschule im Kanton Zürich haben nach mindestens zehn vollendeten Dienstjahren Anrecht auf eine Auszeit in ihrem beruflichen Alltag in Form einer so genannten Intensivweiterbildung (IWB) an der PH Zürich. Im Profil «Ausserschulisches Lernen» beinhaltet diese u.a. ein siebenwöchiges Praktikum in einem Betrieb. In der kommenden Ausgabe «Akzente» folgt der vierte und letzte Teil der Serie «Blick in eine andere Berufswelt».

Weitere Informationen zur IWB:
www.phzh.ch/intensivweiterbildung

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