«Die Schule kann vom Know-how der Eltern enorm profitieren»

Gabriela Kohler setzt sich als Präsidentin der Kantonalen Elternmitwirkungsorganisation (KEO) für eine institutionelle Elternmitwirkung ein, von der alle Beteiligten profitieren. Auf sie und ihr Team wartet noch eine Menge Arbeit.

Gabriela Kohler

Foto: Nelly Rodriguez

Akzente: Wer ist die Kantonale Elternmitwirkungsorganisation (KEO) und was sind ihre Aufgaben?
Kohler: Die KEO ist der Verband der Elterngremien im Kanton Zürich. Sie fördert den Austausch und die Vernetzung der Elternräte oder -foren, die meist erst nach der Verankerung der institutionellen Elternmitwirkung im neuen Volksschulgesetz von 2005 entstanden und damit noch sehr jung sind. Es soll nicht jeder Elternrat das Rad neu erfinden müssen. Zudem ist die KEO Ansprechstelle für die Bildungsdirektion, in der Vernehmlassung vertritt sie die Anliegen der Eltern.

Die KEO ist also eine Art kantonale Elternlobby?
Man kann das durchaus so sehen. Wir stärken die Eltern aber auf keinen Fall gegen die Schule, sondern mit ihr und für sie. Zwischen Schule und Eltern herrscht heute ein Kräfteungleichgewicht. Früher war die Lehrperson auch für die Eltern eine Person, zu der man hinaufschaute. Da hat ein Umdenken stattgefunden. Die Eltern wünschen sich heute einen Dialog auf Augenhöhe, doch dafür ist ein tieferes Verständnis für die Zusammenhänge und Strukturen der Schule nötig. Die Elternmitwirkung ermöglicht einen Blick auf die Schule aus einer anderen Perspektive.

Besteht nicht die Gefahr, dass sich übereifrige Eltern zu stark in die Angelegenheiten der Schule einmischen?
Diese Bedenken waren auch der Grund, weshalb die Lehrpersonen dem neuen Gesetz anfangs sehr misstrauisch begegneten. Eltern mischen sich aber genau dann in Dinge ein, die sie nichts angehen, wenn sie sich nicht abgeholt fühlen. Die stärkere Einbindung und der informelle Austausch haben also auch präventiven Charakter. Zudem ist gesetzlich klar geregelt, wo die Grenzen der Mitwirkung liegen. So haben Eltern beispielsweise kein Mitspracherecht bei Personalentscheiden und bei Unterrichtsinhalten und Lehrmitteln.

Was ist denn überhaupt möglich?
Das hingegen ist nicht geregelt, und nach wie vor spricht man vor allem über Grenzen, statt das weite Feld der Möglichkeiten kreativ zu erforschen. Häufig trauen sich Elternvertretungen in Räten oder Foren auch nicht, ihre Ideen einzubringen, weil sie sich nicht zu stark exponieren möchten und von Schulen zum Teil eher abwehrende Signale kommen. Es gibt aber äusserst originelle Projekte wie eine Brieffreundschaft mit einer Klasse in New York, die von einer englischsprachigen Mutter initiiert wurde.

Kann die Schule wirklich von der Elternmitwirkung profitieren, oder wurde ihr damit nur zusätzliche Arbeit aufgehalst?
Die Schule kann enorm vom Know-how und den Kontakten der Eltern profitieren, etwa wenn es um die Berufswahl geht. Da kann ein Elternrat der Schule auch Arbeit abnehmen. Zudem können die Meinungen der Eltern der Schule wichtige Inputs liefern. Da die Schule ein relativ geschlossenes System ist, kann sich da und dort eine Betriebsblindheit entwickeln. Der informelle Austausch wirkt sich positiv auf die individuelle Zusammenarbeit aus und damit auf das Wohl des Kindes, um das es letztendlich geht.

Wo steht die Elternmitwirkung heute?
Knapp zehn Jahre nach der Einführung des Gesetzesartikels läuft die Elternmitwirkung vielerorts gut, aber noch ohne grosse Berührungspunkte zum Schulalltag. Elternmitwirkung soll nicht einfach stattfinden, weil es das Gesetz vorschreibt. Nun muss auch eine Diskussion über die Qualität und das Nachwuchsproblem vieler Organisationen stattfinden. Nach wie vor haben viele Elternräte Mühe, genügend Freiwillige zu finden. Damit eine Kontinuität entsteht, sollten die Eltern länger als ein Jahr im Vorstand bleiben.

Wie kann die Elternmitwirkung einen Schritt weiterkommen?
Damit interessante Projekte auch tatsächlich umgesetzt werden und möglichst viele Eltern ihre Meinung einbringen können, ist ein Wissen über Rahmenbedingungen und Partizipationsmöglichkeiten nötig. Die KEO organisiert daher Workshops und Bezirkselternabende mit Referaten, etwa zur Partizipation bei einem Vernehmlassungsprozess.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.