Wortdiebe

the words

Ein junger Mann entdeckt ein Manuskript, das von einer tragischen Liebesgeschichte erzählt. Wort für Wort tippt er den Text in den Computer, und um seine Liebste in ihrer Begeisterung nicht zu enttäuschen, lässt er sie und die Welt im Glauben, es handle sich um sein Werk. Der Held wird zum literarischen Shootingstar. Doch dann meldet sich ein alter Mann, der sich als der wahre Autor zu erkennen gibt … Was nach Martin Suters «Lila, lila» klingt, ist auch die Geschichte des Films «The Words – Der Dieb der Worte» (USA 2012). Rory Jansen (Bradley Cooper) findet für seinen Roman keinen Verlag, schafft aber den Durchbruch mit dem hemingwayesken Text eines Fremden. Allerdings ist Rory selber Figur in einem Bestseller, dessen Autor (Dennis Quaid) womöglich ein eigenes Vergehen überspielt.

In seinem hellsichtigen Essay «Literarisches Eigentum» (Kröner 2012) fragt Plagiatsexperte Philipp Theisohn, wie es im medientechnischen Zeitalter um die Ethik geistiger Arbeit und das Urheberrecht bestellt ist. Wer Ideen und Wörter nicht nur borgt und durch Quellenangabe wieder zurückgibt, begeht eine Untat. Aber, wie Theisohn zeigt, führt die Plagiatshysterie auch dazu, dass Texte auf messbare Daten reduziert und Schreiben zur variativen Verwertung vorhandener Werke degradiert wird.

Wo bei der Nutzung des Internets die Grenzen zwischen regulärem Gemeingut und räuberischer Gemeinheit liegen, lotet die Schulfernsehsendung «Piraterie, Copyright & Co.» aus. Videostreams und Unterrichtsmaterialien gibt es unter www.srf.ch/sendungen/myschool/piraterie-copyright-co.

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The Words – Der Dieb der Worte. USA 2012. Regie: Brian Klugman u. Lee Sternthal. Zürich: Ascot Elite Home Entertainment, 2013. DVD.
Philipp Theisohn. Literarisches Eigentum: Zur Ethik geistiger Arbeit im digitalen Zeitalter. Essay. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 2012. 137 Seiten.
Piraterie, Copyright & Co. / Geklaut oder gratis. Redaktion SRF mySchool. Zürich: Schweizer Radio und Fernsehen 2013. DVD.

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