«Bloggen im Praktikum» – Vernetzung an der PH Zürich

Anwendungsorientierte Forschung verlangt die Mitwirkung von Praxis und Forschung. Beide können voneinander lernen. Wie dies funktionieren kann, zeigt ein Forschungsprojekt, das die Möglichkeiten des Bloggens während der berufspraktischen Ausbildung untersucht.

Erste Resultate zeigen: Studierende schätzen es, wenn sie auf Blogeinträge Rückmeldungen erhalten.

Erste Resultate zeigen: Studierende schätzen es, wenn sie auf Blogeinträge Rückmeldungen erhalten.

Eine Anfrage zur Kooperation in einem Forschungsprojekt ist immer mit offenen Fragen behaftet: Kommt die Zusammenarbeit zustande? Lassen sich Drittmittel einwerben? Kurz, es braucht Interesse und Goodwill von verschiedenen Seiten und ein Quäntchen Glück obendrauf. Von der Projektidee über die Formulierung eines Antrags an den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) bis zu dessen allfälliger Bewilligung dauert es im besten Fall ein Jahr. So war das auch beim hier vorgestellten Projekt.

Auf Initiative der PH Schwyz wurde 2012 gemeinsam mit der PH Zürich und dem Institut für Medizinische Lehre (IML) der Universität Bern entschieden, ein Projekt beim SNF einzureichen, welches das Potenzial des Bloggens während der Praktika angehender Lehrpersonen und Ärztinnen und Ärzte untersucht. Beide Berufsgruppen durchlaufen während ihres Studiums Praktika in Schulen bzw. Spitälern. Dabei sind die Studierenden örtlich verstreut, was eine andere Art der Betreuung nötig macht. Zudem sind sie einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt. Um herauszufinden, wie Studierende damit umgehen, wird in jüngerer Zeit das Potenzial des tagebuchartigen Schreibens in Weblogs weltweit erforscht. Allerdings sind grössere hochschulübergreifende Studien oder solche, die einen längeren Zeitraum mit einbeziehen, bisher kaum bekannt. Hier will das vorgestellte Projekt neue Erkenntnisse liefern.

Bloggen als Stressbewältigung bei Studierenden

Da bei Einreichung des Gesuchs beim SNF nur bedingt mit der Bewilligung gerechnet werden kann, hat die PH Zürich entschieden, die Zeit bis zum Entscheid des SNF nicht ungenutzt verstreichen zu lassen und Vorarbeiten in ein internes Projekt fliessen zu lassen. Das Ziel ist, Studierende während ihres Studiums in mehreren Praktika bloggen zu lassen und so verschiedene Möglichkeiten dieser Kommunikationsform zu testen: als Austauschplattform für Lektionspräparationen, als E-Portfolio zur Dokumentation der eigenen Praxis oder als Möglichkeit, um Ärger abzulassen oder Freude auszudrücken. Ausserdem soll festgestellt werden, ob kontinuierliches Bloggen die Schreibpraxis der Studierenden verändert.

Damit teilt sich das Projekt an der PH Zürich in zwei Teilprojekte auf: dem PH-internen und dem vom SNF finanzierten Projekt mit der PH Schwyz, die als federführende Institution wirkt, und der Uni Bern. Beim SNF-Teilprojekt sind die Vorgaben für die Teilnehmenden aller Partnerhochschulen gleich – es geht um den Einsatz des Bloggens zur Stressbewältigung während eines Praktikumseinsatzes. Im PH-internen Projekt kann dagegen mit den Mentorinnen und Mentoren ausgehandelt werden, welche Funktionen der Praktikumsblog erfüllen soll – z.B. Fernbetreuung, Peerfeedback, Selbstreflexion, Tagebuch. Die Aufgabenstellungen sollen in einem direkten Bezug zu den Anforderungen des Praktikums stehen. Das Digital Learning Center (DLC) der PH Zürich sorgt dafür, dass das «Blogging-Tool» rasch und unkompliziert bedient werden kann. Das DLC selbst ist interessiert an den Resultaten der Studie, um seine mediendidaktische Beratung datenbasiert und kundengerecht weiterentwickeln zu können.

Aus Erkenntnissen neue Angebote entwickelt

Inzwischen liegen erste Resultate vor. 45 Studierende haben unter Anleitung ihrer Mentoren während ihres ersten dreiwöchigen Praktikums gebloggt. Die Studierenden aller Gruppen haben Verlaufsplanungen auf dem Blog veröffentlicht, zu dem ihre Mitstudierenden aus der Gruppe sowie der Mentor Zugang hatten. Eine anschliessende Befragung ergab, dass Studierende es schätzen, wenn sie im Blog entweder vom Mentor oder von den Peers Rückmeldungen zu ihren Beiträgen erhalten. Eher zurückhaltend sind die Studierenden, wenn sie selber Kommentare schreiben sollen. Technisch bekunden sie keine Schwierigkeiten, kritisch beurteilen sie dagegen die Häufigkeit des Bloggens: Tägliches Bloggen ist mit zu viel Aufwand verbunden. Gut genutzt wird die Möglichkeit, «Lust und Frust» zu platzieren.

Ein interessanter Befund ergab sich aus der inhaltlichen Analyse der Blogbeiträge: Geht es um die schriftliche Reflexion von Lektionen, deuten die Texte darauf hin, dass Reflexion vorwiegend als beschreibender und nur sehr bedingt als analytischer Prozess verstanden wird. Dieses Ergebnis löste eine fruchtbare Diskussion zwischen allen Beteiligten aus und führte unter anderem dazu, dass in Zusammenarbeit mit dem Schreibzentrum der PH Zürich kurzfristig Angebote zum «reflexiven Schreiben» entwickelt wurden. Forschung wird so als ein offener Prozess praktiziert, an dem alle Seiten teilhaben und ihre spezifischen Kompetenzen einbringen. Dadurch können Ergebnisse breit abgestützt und umgesetzt werden. Das erfordert Zeit, gegenseitiges Interesse und Vertrauen. Das Projekt «Bloggen im Praktikum» dauert noch bis Mitte 2015.

Im Verbund des SNF-Projekts «Blogging in Internships: Writing Online Journals as a Method for Coping in Medical and Teacher Education» wirken mit: seitens der PH-Schwyz, Dominik Pekto (Gesamtleitung) und Nives Egger, seitens der Universität Bern, IML, Sissel Guttormsen, Philippe Zimmermann und Felix Schmitz, seitens der PH Zürich: Thomas Hermann, Alexandra Totter, Simon Baumgartner.

Thomas Hermann und Alexandra Totter sind Dozierende in der Abteilung Forschung und Entwicklung an der PH Zürich; Simon Baumgartner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Digital Learning Center an der PH Zürich.

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