Eine Frage, drei Antworten: Was wünschen Sie der Schule 2030?

Judith Hollenweger

Judith Hollenweger, 53, Leiterin «Inklusive Bildung» an der PHZH.

Im Jahr 2030 wird das 25-jährige Jubiläum des neuen Volksschulgesetzes gefeiert als wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu den heutigen Bildungsschulen! Endlich steht Bildung im Zentrum – nicht Leistung, Unterricht oder Lehrplan – und alle Kinder sind unabhängig von Fähigkeiten oder Herkunft willkommen. Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler sind von acht bis fünf Uhr anwesend.
Sie arbeiten in vielfältigen Lernlandschaften, für deren Gestaltung alle eine Mitverantwortung tragen. Fremd- und Selbstbestimmung orientieren sich nicht an fixen Rollen, sondern am Lernbedarf aller Beteiligten. Wenn fürs Lernen andere Räume oder Partner erforderlich sind, werden entsprechende Ideen entwickelt. Dazu gibt es zahlreiche Kooperationen mit anderen Schulen, Organisationen und Unternehmen. Der Lehrplan 21 ist dann erst seit knapp 10 Jahren flächendeckend eingeführt. Im Kanton Zürich haben innovative Bildungsschulen in Partnerschaft mit Hochschulen und Bildungsdirektion aus den Kompetenzbeschreibungen Bildungspläne entwickelt, die das Arbeiten an den erforderlichen Kompetenzen unabhängig von Fächer- und Klassenunterricht ermöglichen. Leistungstests werden zwar für das Bildungsmonitoring eingesetzt, doch haben sich in den Schulen verschiedene Verfahren etabliert; einerseits für die Begleitung von Lehr-Lernprozessen, andererseits für das Feststellen von Kompetenzen. Die Kompetenzerwartungen im seit den ersten Konsultationen grundlegend überarbeiteten Lehrplan 21 sind nach durchschnittlich acht Schuljahren erreicht, so dass Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler mindestens zwei Jahre lang ihre eigenen Interessen verfolgen können.

Ariane Voellmy

Ariane Voellmy, 23, studiert Primarlehrerin an der PHZH.

In meiner dreijährigen Ausbildung zur Primarlehrerin an der PH Zürich konnte ich nicht nur in der Praxis viel über diverse Schulmodelle lernen. Ich stellte schon bald fest, dass zum Konzept «Volksschule» eine Spannbreite verschiedener Ansichten vertreten sind. Für die Volksschule 2030 wünsche ich mir vor allem eines: dass die Lehrpersonen genügend Ressourcen und Unterstützung haben, um auf einzelne Schülerinnen und Schüler eingehen zu können. Ebenso erhoffe ich mir eine engere Zusammenarbeit mit den Förderlehrpersonen und dass mehr Teamteaching ermöglicht wird.
Eine vielversprechende Vision für die Zukunft sehe ich in einer schulinternen Kinderkrippe, in der das Personal seine eigenen Kinder unterbringen kann. Ich hoffe, dass sich unsere Volksschule zum Wohle der Kinder weiterentwickeln wird.

Moritz Stocker

Martin Stocker, 28, Primarlehrer, Gesamtschule Sternenberg.

Ich erhoffe mir, dass bei der Berechnung der sogenannten Vollzeiteinheiten – damit vergibt der Kanton Zürich die Anzahl Lektionen, die eine Schule maximal unterrichten kann und daraus ergeben sich die Pensen für die Lehrpersonen – nicht alleine der Sozialindex massgebend sein wird, sondern vermehrt auf spezielle Bedürfnisse einzelner Schulen eingegangen werden kann. Gerade bei kleinen Schulen führt diese Berechnung nämlich dazu, dass der Stundenplan zu einem wahren Flickwerk verkommt. Die Leidtragenden dabei sind die jüngsten Schülerinnen und Schüler: Sie müssen bereits in der Unterstufe die Lehrpersonen und Klassenzimmer so häufig wechseln wie die grösseren Kinder in der Oberstufe. Die Sparpolitik des Kantons wird dabei eine grosse Rolle spielen. Wir müssen uns alle genau überlegen, ob wir beim Kerngeschäft der Bildung und damit direkt bei unseren Kindern auch in Zukunft so viel sparen wollen.

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