Visuelle Verfolgungsjagd

Die Farbe der Dinge. (Edition Moderne, 2020)

Simon Hope, ein übergewichtiger Junge aus prekären Familienverhältnissen, wird von seinen Peers drangsaliert und zu allerlei Unfug angestiftet. Das grosse Los zieht er, als er die geheimen Ersparnisse seines spielsüchtigen Vaters auf ein Rennpferd setzt. Ohne Unterschrift eines Erwachsenen kommt der 14-Jährige allerdings nicht an seinem Gewinn. Jetzt sind erst recht alle hinter ihm her. Autor und Comiczeichner Martin Panchaud stellt mit seiner actionreichen Roadnovel alle Lesegewohnheiten auf den Kopf, denn er inszeniert die Coming-of-Age-Geschichte wie ein Videospiel aus Drohnenperspektive und rollt die aberwitzige Handlung in Form von Piktogrammen, stilisierten Aufsichten und eingestreuten Infografiken ab. Dass dies funktioniert und die Leserinnen und Leser emotional mitreisst, verdankt die virtuose Graphic Novel nicht zuletzt den filmreifen Dialogen in der Übersetzung von Christoph Schuler. Die Farbe der Dinge ist ein schwindelerregender Parforce-Ritt, der nicht nur unter die Netzhaut geht.

Martin Panchaud.
Die Farbe der Dinge.
Aus dem Französischen von Christoph Schuler.
Zürich: Edition Moderne, 2020. 228 Seiten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.